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Von Leo Fischer
19.03.2016

Der Hitlerhumor

Das kann weg! Leo Fischer kümmert sich um den liegen gelassenen Politikmüll und dessen sachgemäße Entsorgung

Vor kurzem fragte mich jemand, ob die Fixierung der humorverarbeitenden Industrie auf die AfD nicht erst geholfen habe, diese in den Mainstream zu hieven - wer dauernd Witze über eine Partei reißt, so der Tenor, halte diese eben auch für Normalität, für Inventar, für notwendig. Weil gerade wenig Zeit war, habe ich die Frage irgendwie beantwortet, ich weiß gerade selber nicht genau, was ich gesagt habe, lesen Sie’s doch bitte selber nach.

Was sich aber bestimmt sagen lässt, ist, dass die komische Auseinandersetzung der Deutschen mit der Vergangenheit sich gerade parallel zum Wiedererstarken autoritärer Bewegungen in der Gesellschaft verhält.

Weit entfernt davon, ein »entspanntes« Verhältnis zur faschistischen Vergangenheit zu dokumentieren, waren Hitlerwitze die Begleitmusik zu ihrer Wiederkehr. Noch in den Achtzigern wurden in Synchronfassungen ausländischer Filme allzu harte Anspielungen aufs Nazireich getilgt, sie waren dem Publikum schlicht nicht zumutbar; und wenn Hitler von Deutschen als komische Figur benutzt wurde, dann in den randständigen Publikationen des Nischenhumors.

In den Nullerjahren zogen dann, zuerst zaghaft, dann immer selbstverständlicher, die Mainstream-Produktionen dem Führer hinterher. Der Tenor dieser Produktionen, ob sie jetzt von Pro 7 waren oder von Helge Schneider, war dabei der gleiche: Der Schrecken ist gebannt, wir können wieder lachen; die Verhältnisse im Land sind so vollkommen andere, dass Hitler nur mehr als Clown wahrgenommen werden kann.

Man klopfte sich befreit lachend und gut antifaschistisch auf die Schultern, während der NSU mit Rückendeckung von Politik und Sicherheitsorganen ebenso fröhlich morden konnte. Und dabei mindestens ebenso lustige Videos drehte. Die entspannten Hitlerfilme und -bücher wurden Bestseller, der Erfolg von Timur Vermes’ »Er ist wieder da« brach alle Rekorde. Dabei ist das Buch eigentlich klüger als sein Publikum.

Auch hier werden es die meisten gelesen haben, um sich ihrer Hitlerferne zu vergewissern, und in Teilen erlaubt das Vermes auch: Wenn er zeigt, wie bizarr es ist, im multikulturellen Berlin eine Figur über rassische Reinheit nachdenken zu lassen. Gern wird vergessen, dass bei Vermes Hitler dennoch triumphiert: als Comedian, als seine eigene Parodie. Bald ist er ein Superstar, denkt an ernsthafte politische Betätigung. Es ist eine historische Pointe des Buchs, dass es in gewisser Weise den Aufstieg der Rechtspopulisten vorhergesagt hat: Inmitten des Lachens über Hitler steigt sein böser Geist wieder auf.

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