Schnellsuche

Suchen auf neues-deutschland.de:

Tagebuch aus Calais

Von Refugee Support Calais
23.03.2016

Fragen von uns und an uns

Selbstorganisierte Flüchtlingsstädte existieren auch im Kerneuropa - und sind ständig wachsender Repression ausgesetzt

Wir haben mal die Fragen, die wir uns gestellt haben und die an uns gestellt wurden, gemeinsam beantwortet. Wir hoffen, die politischen Kämpfe der Geflüchteten und die Support-Strukturen vor Ort unterstützen zu können.

Wieso machen wir das?
Ziel unserer Info- und Support-Tour ist es, öffentlich aufzeigen, dass selbstorganisiert Flüchtlingsstädte auch im Kerneuropa existieren und dass sie ständig wachsender Repression ausgesetzt sind. Dass geflüchtete Menschen sich, wie in Calais, eine eigene Infrastruktur zusammenzimmern, ist absolut legitim. Zugleich ist es absolut inhuman, dass sie unter den Bedingungen des Camps leben müssen, weil die Gesetze und die Abschottungspolitik sie zwingen, sich in der Not einrichten. Wir finden die vielfältigen Forderungen der Menschen im Jungle von Calais legitim. Die meisten wollen nach Großbritannien, kommen aber seit Abriegelung des Eurotunnels nicht mehr dahin. Es gibt immer wieder Verletzte und Tote bei den Versuchen, den Ärmelkanal in Containern oder im Zugtunnel zu überqueren. Etliche werden entdeckt, was das Risiko für Leib und Leben erhöht, Wärmebildkameras und andere Mittel nötigen die Menschen in Kühl-Lkws zu steigen. Viele scheitern, einige schaffen es, zu viele sterben kurz vor ihrem Ziel.

Wir hoffen, die politischen Kämpfe der Geflüchteten und die Support-Strukturen vor Ort unterstützen zu können. Der Jungle funktioniert weitgehend selbstorganisiert, denn er wird von den großen Hilfsorganisationen nicht unterstützt. Wir hoffen, eine Öffentlichkeit herstellen zu können, für Kämpfe die gerade in Europa geführt werden (müssen), wir sind Streiter_innen für ein Recht auf Migration und gegen die rassistische, kriminalisierende und exkludierende Politik der europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten.

Wie haben wir uns vorbereitet?
Wir haben uns online bei l›‹auberge des migrants angemeldet. Über calaidipedia.org wird eine internationale dezentrale Anmeldung als Volunteers ermöglicht und Infos für die Vorbereitung sowie eine Packliste verlinkt. Wir haben die erforderlichen Kits für Müllaufsammeln, Bürotätigkeiten oder Spendensortieren mit. Wir sind also bereit in allen notwendigen Bereichen zu helfen und gehen davon aus, dass wir die kommende Woche täglich 8 h arbeiten. Wie? Was? Und ob wir als nicht-französische Volunteers überhaupt das Camp betreten dürfen? Wissen wir noch nicht. Über Airbnb haben wir uns eine Wohnung auf einem Bauernhof organisiert. Richtung Meer wäre das deutlich teurer, aber einige Autominuten im Festland bezahlbar.

Wie war unsere Route? Wieso erst heute?
Wir haben uns nach den gestrigen Anschlägen in Brüssel dazu entschieden, den Start zu verschieben und zu warten, bis sich die Lage etwas beruhigt hat. Wir haben den Umweg über das Elsaß genommen, um nicht durch Belgien fahren zu müssen und unnötige Grenzkontrollen zu vermeiden. Zwar sind wir in der EU, aber trotzdem berichten immer wieder AktivistInnen darüber, dass Refugee-Support Arbeit behindert und gegängelt wird. Wir wollten also, wenn es doof läuft, nur einmal den kompletten Bus ausladen müssen.

Was haben wir dabei? Woher? Wofür?
Wir haben Decken, Schlafsäcke, Isomatten, Säcke voll Handschuhe und Trainingshosen sowie warme Klamotten und Erste-Hilfe-Material aus Sachspendenbeiträgen eingepackt, der Großteil davon stammt aus Passau und aus Leipzig. Wir können also sagen, dass es sich lohnt auch abzufragen, wo noch Spenden in Sammelstellen lagern, die aufgrund veränderter Fluchtrouten lokal nicht mehr benötigt werden. Denn während vor faktischen Schließung der Balkanroute noch tausende Geflüchtete täglich die deutsch-österreichischen Grenzübergänge überquerten, erreichten beispielsweise letzten Sonntag nur 7 Asylsuchende Passau.

Bis vor kurzem gab es im Camp die selbstorganisierte Bibliothek Jungle Books mit angeschlossenem Medienzentrum, also Computern. Sie befand sich im südlichen Teil des Jungles und wurde bei der Räumung mit abgerissen. Seit vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass der nördliche Teil vorerst legalisiert ist, soll Jungle Books in Form zweier mobiler Zentren wiederentstehen. Deshalb haben wir PCs, Drucker und Büromaterial mit, um diese Vorhaben zu unterstützen.

Im nd-Shop

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken

Empfehlen bei Facebook, Twitter, Google Plus

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Artikel des Blogs

Über diesen Blog

Tagebuch aus Calais

Die humanitäre Lage ist nicht nur an den Außengrenzen der EU katastrophal, sie spitzt sich auch an den wieder errichteten Binnengrenzen zu. Einer dieser Orte, an denen die europäische Abschottung gravierende Gefahren für Leib und Leben von Geflüchteten auch im Herzen Europas offenbart, ist die nordfranzösische Hafenstadt Calais.

Die Autoren dieses Blogs sind allesamt freiwillige Helfer des Projektes »Refugee Support Calais«

Refugee Support Calais im Netz:

Facebook
Twitter

Tumblr

 

... Geldspenden

Die Inititaive arbeitet vor Ort mit der L'auberge des migrants zusammen. Wer diese und ähnliche selbstorganisierte Strukturen aus Frankreich/Großbritannien finanziell unterstützen möchtet, kann dies bedarfsgerecht über die folgenden Fundraising-Seiten spenden:
für Zelte, Isomatten, Schlafsäcke, Decken und Kleidung
für tägliche Verpflegung / Ausstattung der Großküchen 

 

Blogs-Übersicht

Werbung:

Werbung:

Hinweis zum Datenschutz: Wir setzen für unsere Zugriffsstatistiken das Programm Piwik ein.

Besuche und Aktionen auf dieser Webseite werden statistisch erfasst und ausschließlich anonymisiert gespeichert.