Nährboden für antisemitische Vorurteile?

In die Debatte um die weltweite Finanzkrise mischen sich auch antijüdische Ressentiments

Prof. Werner Bergmann (Jahrgang 1950) arbeitet am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität (TU) Berlin. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Soziologie und Geschichte des Antisemitismus und angrenzender Gebiete wie Rassismus und Rechtsextremismus. Mit dem Wissenschaftler sprach ND-Autor Carsten Hübner.

ND: Die Anti-Defamation League hat vor wenigen Tagen berichtet, dass in den USA die Zahl antisemitischer Einträge in Internetforen, die sich mit Wirtschafts- und Finanzfragen befassen, seit Beginn der internationalen Finanzkrise drastisch zugenommen hat. Welche Rolle spielen diese Fragen für antisemitische Vorurteile?
Bergmann: Traditionell werden Juden seit dem Mittelalter mit dem Sektor Geld, Kreditvergabe und Handel identifiziert, zu dem sich im späten 19. Jahrhundert noch das Bild des »Börsenspekulanten« hinzugesellt hat. Das ist ein Bild, das sich bis heute erhalten hat. Aktuell begegnet es uns zum Beispiel, wenn es um Wiedergutmachung oder die Rückgabe von Raubkunst geht. Hier wird, zum Teil in verdeckter Form, unterstellt, den Juden ginge es allein um Geld. Umfragen zeigen zudem, dass Juden von relativ vielen Befragten Eigenschaften wie »geldgierig« oder »geizig« zugeschrieben werden und man meint, dass ihr Einfluss in der Geschäftswelt und auf den Finanzmärkten zu groß sei. Das alles sind, auch in Deutschland, nach wie vor wichtige Bestandteile antijüdischen Denkens.

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