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Von Thomas Grossman
03.01.2009
PLATTENBAU

Guns N' Roses: Chinese Democracy

Der größte Witz der Rockmusik der letzten 10 Jahre ging so: »Demnächst erscheint das Album ›Chinese Democracy‹!« Selten gab es so viel Gerede, Gerüchte, Geschichten und Spekulationen wie über dieses Album von Guns N’ Roses, das einfach nicht erscheinen sollte. Doch, oh Wunder, seit Ende November steht es tatsächlich in den Läden. Man kann es anfassen, streicheln oder auch anhören. Und das ganze 17 Jahre nach den letzten Studioalben von Guns N’ Roses mit neuen Songs – denn »Use Your Illusion« erschien simultan als Teil I und II im September 1991.

Axl Rose (46) wuchs in Indiana auf, wurde nach eigener Aussage als Kind missbraucht, ging nach Hollywood um Rockstar zu werden und gründete dort 1985 Guns N’ Roses. Zwei Jahre später erschien »Appetite For Destruction«, das Debütalbum der Band – bis heute ging es sensationelle 28 Millionen Mal über den Ladentisch. Bis etwa 1993 blieben Guns N’ Roses die größte Rockband der Welt und verkauften Alben wie geschnitten Brot. Ihre Musik war eine Mischung aus Glam-, Punk- und Metal-Rock, die Texte kreisten um Alkohol, Drogen, Sex und Starruhm. Fast alle in der Band waren Alkoholiker oder drogenabhängig – Axl Rose noch dazu manisch-depressiv. Kein Wunder, dass seine Bandkollegen das Weite suchten. 1998 war er das einzige verbliebene Originalmitglied der Band. Auch neu eingestellte Musiker wechselten ständig, weil Rose sie nach Belieben feuerte.

1999 sollte »Chinese Democracy« herauskommen, kam aber nicht. Ab 2001 wurden Songs des Albums auf Konzerttourneen vorgestellt und erschienen danach immer wieder prompt im Internet. Doch Axl Rose werkelte immer weiter – in insgesamt 14 Studios – wollte er doch den Erfolg des Debütalbums wiederholen. 2006 hieß es, das Album komme »definitiv« im Herbst heraus, dann sollte es der März 2007 sein.

Mit 13 Millionen Dollar Produktionskosten ist das Album das teuerste aller Zeiten. Der USA-»Rolling Stone« bezeichnete es als »kühn, verrückt und kompromisslos«, das USA-Musik-Magazin »Blender« fand wenigstens die Balladen »einfach mörderisch«, der große Elektronik-Einzelhändler »Best Buy Co., Inc.« meinte, die Platte sei Klassikern wie »Pet Sounds« von den Beach Boys oder »Exile on Main Street« von den Rolling Stones ebenbürtig. Die Verkaufszahlen blieben allerdings unter den Erwartungen.

Das Album läuft lange 71 Minuten und hat 14 – recht abwechslungsreiche – Songs. Richtig gut sind etwa die Hälfte, der Rest ist mittelmäßig bis schlecht. Der Gesang ist okay, die Produktion technisch perfekt – mit viel Synthesizern, Samples, Beats, knalligen Rock-Riffs und brillanten Gitarrenläufen. Doch die Songs sind zu lang, zu überproduziert – mit viel zu viel Beachtung für jedes winzige Detail. Die Texte kreisen um verlorene Liebe und ein hartes Schicksal. Der Titelsong deutet an, dass die in China Herrschenden es wohl nicht lange mehr bleiben werden. Wohl auch deshalb bleibt das Album in China vorerst verboten.

Guns N' Roses: Chinese Democracy (Universal)

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