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Von Martin Ling 03.01.2009 / Kolumne

Reformdruck in Kuba

Die These von Raúl Castro ist gewagt: »Die Revolution ist heute stärker denn je.« Sicher hat die kubanische Revolution in den 50 Jahren ihres Bestehens schon schwierigere Zeiten er- und überlebt als die momentane Situation – insbesondere nach dem Wegfall der Sowjetunion als Bündnis- und Wirtschaftspartner. Doch die drei schweren Hurrikans in diesem Jahr haben mitsamt der Nahrungs- und Ölpreishausse der ersten Jahreshälfte die kubanische Wirtschaft kräftig durchgeschüttelt. Kuba steht ähnlich wie zu Beginn der 90er Jahre erneut unter starkem Reformdruck, wenngleich dank Venezuela und China mit Partnern..

Die Erwartungen an den als Pragmatiker geltenden Raúl sind hoch: Der Abbau des Mangels in der Mangelwirtschaft steht dabei an erster Stelle und für die Masse vor einer Ausweitung der bürgerlichen Freiheiten. Raúl Castro ist sich dessen bewusst: Die Wiederbelebung des darbenden Agrarsektors soll alsbald das Nahrungsmittelangebot verbessern helfen, Löhne nach Leistung sollen generell die Produktivität erhöhen. Das zentrale Problem zweier Währungen indes bleibt unangetastet.

Kubas Regierung steht vor einem ähnlichen Dilemma wie in den 90er Jahren: Um den Mangel zu bekämpfen, müssen wirtschaftliche Freiheiten und Anreize ausgebaut werden, die jedoch die hohe Egalität der Gesellschaft untergraben – ein Fundament der Revolution. Nur wenn diese Gratwanderung gelingt, hat Kubas Sozialismus Zukunft.

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