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Von Jutta Schütz
03.01.2009

Kunst im Knast

Theater, Musik und Malerei in Gefängnissen

Lesungen und Konzerte mit Künstlern von »draußen« sind in den Haftanstalten der Hauptstadt gefragt. Auch das Interesse an Aufführungen, die Gefangene selbst auf die Beine stellen, steigt. Das sei wie Urlaub vom öden, streng getakteten Gefängnisalltag, sagen Insassen. »Das Theaterprojekt hat uns gezeigt, dass wir in der Lage sind, etwas zu schaffen«, schrieb jetzt ein Insasse aus Moabit an die Gefängnis-Leitung und bedankte sich in dem Brief, dass er mitmachen durfte.

Kreative Beschäftigung wirke deeskalierend, sagt die Leiterin der Sozialpädagogischen Abteilung des Moabiter Gefängnisses, Gudrun Petersen-Buck. »Und es stärkt das Selbstwertgefühl von Gefangenen.« Willkommener Nebeneffekt: Die Inhaftierten würden sich nicht so an den Bediensteten abarbeiten. Denn auch in Berlin reichen die Haft-Arbeitsplätze nicht. In Moabit gibt es nur 400 – dort sitzen aber rund 1100 Insassen, die meisten in Untersuchungshaft, aber auch verurteilte Straftäter. Deutsche, Türken, Russen, Araber – viele Nationen sind vertreten.

Wer Theater mitspielen wolle, müsse Deutsch können, sagt die Pädagogin. Ausgeschlossen blieben Täter, bei denen das Gericht die »Gruppenteilnahme« wegen Gefährlichkeit verboten habe. Für Freizeitangebote habe die Anstalt einen Etat von rund 90 000 Euro. Die Gitarrengruppe bekomme fünf Doppelstunden Unterricht pro Woche, auch die Maler und Zeichner erhalten professionelle Unterstützung.

Das Motto sei: »So viel Freiheit nach innen wie möglich und so viel Sicherheit nach außen wie nötig«, sagt Petersen-Buck. Der international bekannte Cellist Peter Bruns spielte schon in Moabit und riss die Straftäter zu Beifallsstürmen hin. Gedränge gab es auch bei der Premieren-Aufführung des Films »Underdogs« mit Schauspielern, bevor er »draußen« in die Kinos kam. Das seien aber keine Luxusveranstaltungen, sagt Gefängnisleiter Wolfgang Fixson.

»Kunst und Knast sind keine Gegensätze«, findet auch Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD). Viele Gefangene entdeckten erst hinter Gittern ihre künstlerische Ader, nachdem sie an einen geregelten Alltag herangeführt wurden. Von der Aue kommt auf dem Weg in ihr Büro täglich an einem solchen Beispiel vorbei. In der Vorhalle der Senatsverwaltung für Justiz hängt ein von Inhaftierten kreiertes Mosaik.

Im deutschlandweit größten Gefängnis in Tegel können auch Besucher von außerhalb zu den Theateraufführungen kommen – mit Anmeldung und Karte im Vorverkauf. Im Untersuchungsgefängnis Moabit ist das nicht möglich. Die Theatergruppe in Tegel studiert jedes Jahr neue Inszenierungen ein, mit Hilfe von außen. Die Gefängnis-Akteure können bei den Proben vorübergehend aus dem Gefängnis fliehen – mit den Gedanken. Und wenn rauschender Beifall wie bei der Open-Air-Vorstellung von »Spartacus« aufflammt, geht das auch harten Typen unter die Haut. Das freie Projekt aufBruch freut sich jedenfalls über den wachsenden Zuspruch des Publikums und die Zusammenarbeit mit den Gefangenen-Schauspielern.

20 Inszenierungen habe aufBruch schon in Berliner Gefängnissen betreut, sagt Sprecher Björn Pätz. »Wir machen einen nicht öffentlichen Ort sichtbar.« Der Vorsitzende des Berliner Anwaltsvereins, Ulrich Schellenberg, findet für die Resozialisierung wichtig, dass Gefangene selbst aktiv werden und Eigeninitiative entwickeln. Es sei schon eine Herausforderung, sich einem Regisseur unterzuordnen.

Peter Atanassow, künstlerischer Leiter von aufBruch, war jetzt als Regisseur auch in der Anstalt für jugendliche Straftäter. Das von Inhaftierten und Musikschülern erarbeitete Projekt hieß »Kaspar H.«. Die meisten Gefangenen kämen wie Hauser aus einer unbekannten Parallelwelt. dpa

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