Von René Heilig
06.01.2009

Raus aus der Falle

Das pakistanische Außenministerium hat gestern von Indien »Informationen in Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Mumbai« erhalten. Die Empfänger sagten Prüfung zu, auch wenn Islamabad bisher jede Verwicklung in den Terroranschlag zurückgewiesen hat. Eine Falle, die nach dem Willen ihrer Erfinder Schreckliches in sich trug, scheint bis auf Weiteres entschärft.

Der Anschlag im November 2008 bot in vielerlei Hinsicht eine neue Dimension des Terrorismus in der Region. Die Planer wollten Indien destabilisieren, Unruhen zwischen Hindus und Muslimen provozieren und den zaghaften Prozess der Annäherung zwischen den Atomwaffenmächten Indien und Pakistan jäh beenden. Die Regierung in Delhi sollte – aus innenpolitischen Gründen – zu Vergeltungsschlägen gezwungen werden, die von den Machthabern im fragilen Pakistan – aus innenpolitischen Gründen – entsprechend beantwortet worden wären.

Bereits dreimal traten beide Staaten gegeneinander an. Diesmal blieben Kampfjets am Boden, Raketen in den Bunkern. Die Hintermänner der Anschläge hatten sich verrechnet. Sie bewirkten sogar eine gewisse Annäherung der verfeindeten Staaten. Pakistans neuer ISI-Geheimdienstgeneral Pasha war bereit, über alle politischen Schatten zur springen, um zum Faktenaustausch ins Feindesland zu reisen. Die Erkenntnis, dass man vom gleichen terroristischen Feind bedroht wird, kann neue Formen der Zusammenarbeit hervorbringen. Die bis nach Afghanistan ausstrahlen. Interessanterweise haben die USA an dem Aufwallen von Vernunft offenbar keinen geringen Anteil. Auch das lässt hoffen.