Endlich erhält der Exilant Nazim Hikmet von Ankara die Staatsbürgerschaft zurück. Wer als Toter Recht bekommt, hat für die Ewigkeit Recht, länger als jeder noch Lebende. So bitter kann Trost sein.
Ein Weltliterat wird vom Volk seit jeher geliebt, vom Staat aber erst beschämend spät rehabilitiert? Wenn ein System sich das leisten darf, zeigt es auf eine Weise Kraft, die nichts aushält. Aber das ist eines Dichters schöne Aufgabe: das Regime zu blamieren. Bis es nicht mehr anders kann und ein literarisches Werk begreift, also: zum Äußersten greift. Deutschen Schriftstellern gelang es, als Bücher brannten; Biermann gelang es, als Honeckers Nerven durchbrannten. Der Spanier Garcia Lorca wurde einst ermordet verscharrt, der Türke Hikmet der Staatsbürgerschaft beraubt. Dichter sind ihrer Zeit voraus? Das hat eine Konsequenz: Oft müssen sie in unbequemer Lage warten, bis ihre Zeit kommt. Nicht der Dichter, seine Wirkung wählt aus, wie zu leben und zu sterben sei.
Die Türkei war Gast der Frankfurter Buchmesse, Orhan Pamuk erhielt den Nobelpreis – ein Land im Fokus. Es bewegt sich. Nun wird Hikmet wieder Staatsbürger – wie weit noch bis zum wahren Bürgerstaat?
Regierende, machtbewusst, stampfen gern selbstsicher auf. Da bleiben Dichter, just als Staatsbürger, die Warnung: Vorsicht, Achillesverse!
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