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Von Martin Ling 13.01.2009 / Nord-Süd

Südamerika am Ende des Booms

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Der Wirtschaftsboom in Lateinamerika ist vorbei. Seit 2003 haben viele lateinamerikanische Länder von hohen Rohstoffpreisen profitiert und Wachstumsraten erzielt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Für 2009 rechnet die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) nur noch mit 1,9 Prozent.

Alle Länder haben in den letzten Jahren vor allem auf Rohstoffexporte gebaut. Das wird im Zuge der unabsehbar

dauernden Weltwirtschaftskrise erheblich schwieriger. Insbesondere gilt dies für Venezuela und Bolivien, bei denen der Anteil der Öl- und Gaswirtschaft an der Gesamtwirtschaft deutlich zugenommen hat. Für die Umverteilungspolitik der Rohstofferlöse gibt es künftig weniger Spielraum und damit entsteht zusätzlicher sozialer Sprengstoff.

Auch wenn Caracas sinnigerweise seit Jahren den Haushalt mit einem vorsichtigen Ölpreis kalkuliert – so mit 60 US-Dollar – jenen für 2009 – könnte selbst diese bewährte Vorgehensweise in Zeiten sinkender Preise nicht aufgehen. Kapital für den Revolutionsexport wird knapper werden. Dass die letzte Milliarde an die befreundete argentinische Regierung nur gegen 15 Prozent Zinsen floss, zeigt, dass die Zeichen der Zeit in Caracas schon angekommen sind.

In der aktuellen Krise zeigt sich, dass in allen lateinamerikanischen Ländern mehr oder weniger versäumt wurde, die Weichen in Richtung einer langfristigen Entwicklungsstrategie zu stellen, die unter anderem weit mehr als die Rohstoffe die Ressource Bildung und Ausbildung in den Vordergrund stellen und versuchen müsste, ökologische mit ökonomischer Nachhaltigkeit zu verbinden. An letztgenannter Herausforderung sind freilich bisher noch alle Staaten gescheitert, allen voran die Industriestaaten.

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