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Von Ina Beyer 16.01.2009 / Gewerkschaftliches

Bei Doppstadt herrscht Faustrecht

Überfall auf Betriebsratsvorsitzenden löst Entsetzen aus

Ein Überfall auf den Betriebsratsvorsitzenden des Umwelttechnikherstellers Doppstadt Calbe GmbH in Calbe (Sachsen-Anhalt) sorgt für Entsetzen.

Am Mittwochmorgen wurde Andreas Kirchhoff auf dem Doppstadt-Gelände zusammengeschlagen. Nach dem Gang zur Toilette sei er in einem dunklen Flur plötzlich überfallen worden, berichtet die Regionalzeitung »Volksstimme«. Anschließend sei ihm ein Plastiksack über den Kopf gestülpt worden, körperliche Attacken folgten. Nachdem Kirchhoff schon am Boden lag, hätte man ihm mit einem harten Gegenstand auf den Schädel geschlagen, sagte der 45-Jährige, der nach dem Überfall ins Kreiskrankenhaus eingeliefert wurde, der Zeitung.

Dem Überfall geht ein monatelanger Streit zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung voraus, der mit der Forderung nach einer Tariferhöhung begann. Nach Angaben der gewerkschaftspolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Edeltraud Rogée, ist der Konflikt bereits mehrfach eskaliert. Kündigungen und Abmahnungen des Betriebsrates seien an der Tagesordnung gewesen. Anwälte wurden eingesetzt, die den gewählten Betriebsrat auflösen sollten. In dem Unternehmen hat sich auch eine »Arbeitnehmerinitiative Pro Doppstadt« gegründet, die auf Arbeitgeberseite steht. Mit ihr liefert sich der Betriebsrat seither regelmäßig Gerichtsprozesse.

Vermittler, die eingesetzt wurden, darunter für die Arbeitgeberseite auch der Bundestagsabgeordnete und Staatsminister a.D. Bernd Schmidbauer (CDU), konnten bislang wenig erreichen. Derlei Versuche hätten auch am Vorabend des Überfalls zu scheitern gedroht, als es um eine Betriebsvereinbarung zu Kurzarbeit in Folge der Finanzkrise gegangen sei, schreibt die »Volksstimme«.

Die Linke beäugt den Überfall misstrauisch: »Wir fragen uns, ob das eine neue Qualität der Auseinandersetzung zwischen Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertretern ist«, hieß es gestern in einer Pressemitteilung. Rogée forderte die Geschäftsleitung auf, zu demokratischen Formen der Auseinandersetzung zurückzukehren.

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