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Von Steffi Bey 21.01.2009 / Berlin / Brandenburg

Glamourwelt Klein Hollywood

Schüler erforschen einstige Filmstadt Weißensee / Im Mittelpunkt steht die Künstlerfamilie May

Schon nach wenigen Sekunden gefällt sich Inga in ihrer ungewohnten Rolle: In ein blaues Kleid gehüllt, sitzt die 16-Jährige aufrecht, mit übereinander geschlagenen Beinen auf einem gepolsterten Hocker. Grelles Licht scheint auf das junge Gesicht und Inga lächelt. Zunächst ein bisschen verkrampft, aber dann immer gelöster. In ihrer rechten Hand hält das Mädchen eine langstielige, knallrote Mohnblume. Die Pose ist nachgestellt, ähnlich ließ sich vor etwa 90 Jahren die junge Schauspielerin Eva May für ihre Autogrammkarten fotografieren.

»Fühlst du dich jetzt wie ein Star«, fragt Betina Kuntzsch das blonde Mädchen. Inga nickt und lacht der Videokünstlerin direkt in die Kamera. Benny darf als nächster posieren. In seinem hellen Anzug und der schwarzen Kappe lässt er sich in die Kulisse fallen. Während Petra Schröck vom Kulturzentrum Brotfabrik ihn fotografiert, bespricht der Theaterpädagoge Nils Foerster mit den anderen Jugendlichen die nächsten Szenarien. Für die drei Mitarbeiter der Weißenseer Brotfabrik, einer beliebten Kultureinrichtung, sind die Nachmittage in der Stephanus-Stiftung immer etwas Besonderes: Weil sie seit kurzem auch Behinderte in das Kinder- und Jugendprojekt »Filmstadt Weißensee. Aufstieg und Fall einer Glamourwelt« einbeziehen.

»Sie begegnen uns mit einer großen emotionalen Offenheit«, beschreibt Foerster seine ersten Eindrücke. Bislang beschäftigten sich Schüler aus Gymnasien und Grundschulen mit der filmischen Spurensuche in dem Stadtteil. Schließlich wurde in Weißensee zwischen 1912 und 1929 Filmgeschichte geschrieben. In »Klein Hollywood« entstanden Legenden wie das expressionistische Meisterwerk »Das Cabinet des Dr. Caligari«. Weltberühmte Regisseure drehten hier Stummfilme aller Genres: Liebeskomödien, soziale Dramen, prunkvolle Abenteuer- und Detektivfilme und Horrorstreifen. Zu den bekannten Schauspielern gehörten Mia May, Emil Jannings, Conradt Veidt und Marlene Dietrich. »Wir wollen mit dem Projekt an die einstige Glamourwelt erinnern, sie erforschen und verarbeiten«, betont Petra Schröck.

Im Mittelpunkt steht dabei die Künstlerfamilie May. Der wechselvolle Lebensweg vor allem von Mutter und Tochter soll erörtert und künstlerisch verarbeitet werden. »Gerade dieser Prozess, und auch die vielen Parallelen zur heutigen Zeit, machen das Projekt so spannend«, sagt Nils Foerster. Noch wisse niemand genau, was am Ende dabei herauskommt. Fest stehen nur die drei verschiedenen Bereiche, in denen sich die Schüler ausdrücken: Fotografie, Film und Theater. Petra Schröck und ihr Team haben vorher in Archiven und Bibliotheken recherchiert. Entdeckt wurde unter anderem der Nachlass von Eva May, der Tochter des Künstlerehepaares. Jede Menge Fotos, Alben und Briefe, die besonders die am Projekt beteiligten Mädchen faszinieren.

Auch ehemalige Drehorte an der heutigen Liebermannstraße sollen aufgesucht werden. Im Mai wollen die Film-Forscher erste Ergebnisse präsentieren, bevor im Dezember das von der »Aktion Mensch« finanzierte Vorhaben endet. Interessierte Jugendliche können jederzeit in das Projekt einsteigen, beispielsweise zum Workshop in der Zeit vom 2. bis 6. Februar in der Brotfabrik, Caligariplatz 1, Telefon: 4714001 oder brotfabrik-berlin.de.

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