(ND-Nowak). Unter dem Motto »Finger weg von meiner DNA« protestierten diese Woche Antirassisten vor dem Bundestag gegen den Versuch, Gentests für die Kontrolle von Flüchtlingen einzusetzen. Aufgerufen zu der Kundgebung hat das Gen-Ethische Netzwerk, das sich seit mehr als 20 Jahren kritisch mit dem Thema Gentechnologie auseinandersetzt. Anlass war eine Anhörung des Gesundheitsausschusses zum Gendiagnostik-Gesetzentwurf der Bundesregierung. Darin wird festgeschrieben, was deutsche Ausländerbehörden und Auslandsvertretungen bereits in einer rechtlichen Grauzone praktizieren: Das Gesetz erlaubt DNA-Tests, um Verwandtschaftsverhältnisse bei Visa- und Passanträgen zu überprüfen. »Diese Tests sind nur formal freiwillig. Tatsächlich besteht eine soziale Zwangslage, wenn es darum geht, mit Kind oder Eltern zusammenleben zu können oder auch nicht«, erklärt Susanne Schultz vom Gen-Ethischen Netzwerk. Sie warnt vor einer besonderen Benachteiligung von Flüchtlingen. Während Beschäftigte und Versicherungskunden durch das Gesetz zu Recht vor dem Zugriff auf ihre persönlichen Daten geschützt werden, werde der Zugriff auf genetische Informationen von Migranten erleichtert. Die Kritiker fordern auch in diesem Fall den Schutz der sensiblen, persönlichen Informationen.
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
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