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Von Gerhard Dilger 28.01.2009 / Ausland
Weltsozialforum

Deutsche für eine »andere Welt«

Die deutschen Teilnehmer sehen dem diesjährigen Weltsozialforum optimistisch entgegen.

Das Großtreffen der Globalisierungskritiker sei angesichts der Weltfinanzkrise besonders wichtig, weil vorherrschende Ideen »gegen den Strich gebürstet würden«, sagte Dieter Eich vom DGB-Bildungswerk in Belém.

Politische Stiftungen, Gewerkschaften, Basisgruppen und kirchliche Hilfswerke aus Deutschland organisieren zusammen mit ihren Partnerorganisationen zahlreiche Workshops. Ihr gemeinsames dreisprachiges Programm umfasst 45 Veranstaltungen zur gesamten Bandbreite der globalisierungskritischen Agenda, von der Privatisierung von Bildungssystemen bis zu Sozialismusdebatten. Attac-Mitglieder aus Deutschland wie Hugo Braun und der Ökonom Elmar Altvater sind an der Vorbereitung eines globalen Aktionstags zur Finanzkrise am 28. März beteiligt. Tage später treffen sich die Staatschefs der G-20 zu einem Krisengipfel in London. »Es ist paradox«, räumt Altvater ein, »durch die Teilsozialisierung der Banken erscheint die Gegenseite plötzlich als radikal.«

Gaby Küppers, Lateinamerikaexpertin der Grünen-Fraktion im EU-Parlament, erhofft sich »Lösungsvorschläge zur Finanzkrise, die über das Krisenmanagement zur Stablisierung des Status Quo hinausgehen«. Kathrin Buhl vom Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in São Paulo freut sich auf die »Erarbeitung gemeinsamer Strategien«, etwa gegen die Kriminalisierung sozialer Bewegungen in Brasilien, Argentinien, Chile oder Mexiko. Neue Impulse zum Thema Klimagerechtigkeit erwartet Detlev Knoche vom evangelischen Zentrum Ökumene in Frankfurt/Main.

Die Großveranstaltung, zu der über 100 000 Menschen nach Belém gekommen sind, werde diesmal besonders durch die kulturelle Diversität Lateinamerikas geprägt, sagte Thomas Fatheuer von der Heinrich-Böll-Stiftung: »Es wird ein Forum indigener Völker, schwarzer Gemeinschaften, von Fischern und Frauengruppen«, so Fatheuer. Die Vernetzung von Aktivisten aus Nord und Süd im Hinblick auf weitere Zusammenarbeit ist seit jeher der Kern des Weltsozialforums.

Als einziger deutscher Vertreter sitzt Jürgen Reichel vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) im Internationalen Rat des Weltsozialforums, wo nächste Woche die Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden. Bislang ist das wahrscheinlichste Szenario, die aufwändigen Großtreffen künftig in einem Zwei-Jahres-Rhythmus auszurichten, 2011 in Afrika und 2013 in Asien, sagte Reichel. Zu den direkten Sponsoren des Forums gehören Misereor, Brot für die Welt und der EED.

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