Zwei der über 2000 Berliner Glückspielautomaten
Foto: ND/Burkhard Lange
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An Spielotheken vorbei zu gehen, fällt Frank G.* immer noch nicht leicht. Dabei ist der Glückspielsüchtige schon seit längerem »trocken«, wie er die Abstinenz nennt. Vor drei Jahren kam er das erste Mal ins Café Beispiellos in Kreuzberg, der einzigen Beratungsstelle für Glücksspielsüchtige in Berlin. Die Einrichtung des Caritasverbandes ist seit 21 Jahren Anlaufstelle für Glücksspieler. Hier beraten Psychologen und Sozialarbeiter Betroffene und ihre Angehörigen: Durch Therapie- und Freizeitangebote, Krisenintervention und Vermittlung zu anderen Beratungsstellen versuchen sie, Glücksspielsüchtigen Wege aus dem Teufelskreis zu ebnen.
Während des Jahres 2008 kamen 550 neue Spielsüchtige in die Kreuzberger Beratungsstelle, fast doppelt so viele wie zehn Jahre davor. Laut Schätzungen gibt es etwa 17 000 »pathologische Spieler« in Berlin und bis zu 265 000 in Deutschland. Durchschnittlich acht Stunden täglich verbringen Glücksspielsüchtige mit dem Spiel. Seit 2001 wird die Spielerei als Krankheit anerkannt. Von der Diagnose betroffen sind überwiegend Männer.
Eigentlich soll der seit einem Jahr geltende Glücksspielstaatsvertrag etwas an diesen Zahlen ändern. Die Auflagen betreffen das öffentliche Glücksspiel, also staatliche Lotterien und Spielbanken sowie Sportwetten. Doch 80 Prozent der pathologischen Spieler spielen an Glücks- und Geldspielautomaten, die aufgrund der geringen Einsatz- und Gewinnspanne lediglich als »Unterhaltungsmaschinen mit Gewinnmöglichkeit« gelten. Maximal 20 Cent darf der Einsatz und zwei Euro der Gewinn betragen. Doch die Hersteller haben Tricks gefunden, um höhere Einsätze und Gewinne zu ermöglichen – und ihre Umsätze in den letzten Jahren zu steigern. Das macht es laut Landes-Drogenbeauftragter Christine Köhler-Azara schwierig, das Problem in den Griff zu bekommen.
Auch Frank G. war »Automatenspieler«. Sein kurzfristiges Glück an einem Spielautomaten wurde ihm zum Verhängnis. Nach einigen Gewinnen verlor er. Durch höhere Einsätze und mehr Spiele versuchte G., seine Verluste auszugleichen. Langsam schlitterte er so in die Sucht. Das Spiel begann seine Gedanken zu beherrschen. Der Familienvater vernachlässigte sich selbst, die Familie und den Job. Sogar im Urlaub träumte er vom Spiel zu Hause. Wie viel Geld er genau »verzockt« hat, kann er nicht sagen – auf jeden Fall eine Menge. Glück im Unglück habe er im Nachhinein betrachtet gehabt, weil er in der Not immer legale Wege fand, an Geld zu kommen, und nicht in die Beschaffungskriminalität rutschte wie andere Betroffene.
Verlust des Arbeitsplatzes und der Partnerschaft, Verschuldung, Obdachlosigkeit – viele fallen tief, bevor sie sich eingestehen, dass sie ein Problem haben und im Café Beispiellos Hilfe suchen. Bei Frank G. war es die Trennung von der Familie, die ihn endlich zur Selbsterkenntnis brachte: »Ich habe eines Tages in den Spiegel geguckt und konnte mich selbst nicht mehr sehen.«
*Name geändert
Das ND hat den Hintergrund des Rückzugs von Kasdorf übersehen
Die Opfer eines deutschen Offiziers in der Nacht des Ramadan vom 3. zum 4. September 2009.
Das Tagebuch des Jeremy-Maria zu Hohenlohen-Puntiz
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