»Die Wasserversorgung von Cajamarca hängt an einem seidenen Faden«, erklärt Pfarrer Marco Antonio Arana. Die Minenbetreiber wollen den Berg Quilish abtragen, unter dem die zentrale Wasserader der Region vermutet wird.
Der Kirchenmann kann sich in Cajamarca nur noch mit Bodyguards bewegen, denn er ist die Symbolfigur der Nichtregierungsorganisation »Grufides«, die seit Jahren auf die Umweltrisiken rund um die größte Goldmine Lateinamerikas aufmerksam macht. Die Mine Yanacocha wird gemeinsam vom US-Bergbauriesen Newmont Mining und dem peruanischen Unternehmen Minas Buenaventura betrieben. Obendrein hält die Weltbank fünf Prozent an der 1993 eröffneten Mine, die im offenen Tagebau betrieben wird und vielen der angrenzenden Bauern längst das Wasser abgedreht hat. »Flüsse wurden umgeleitet und direkt dem Unternehmen zugeführt, so dass für die Bauern nichts mehr blieb«, klagt der Pfarrer. »Unentgeltlich erhält das Unternehmen das Wasser, welches an sich allen gehört.«
Ähnliche Kritik an Newmont gibt es auch auch im westafrikanischen Ghana. Hier wurde zugunsten der Ahofo-Mine ein Fluss umgeleitet, rund 19 000 Menschen mussten weichen, damit Newmont das Gelände nach Gold durchpflügen kann. Auch diese Mine wurde 2006 erst durch einen Kredit der Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) ermöglicht, klagt Armin Paasch von Fian International. Schon damals machte die Menschenrechtsorganisation, die sich für das Recht auf Nahrung einsetzt, auf die prekäre Versorgungssituation der Bevölkerung aufmerksam.
Doch der Konzern hat längst Pläne für eine neue Mine in der Schublade und drängt die Regierung in Accra, ihm entgegenzukommen. Doch diesmal liegen die Fundstätten mitten in Waldschutzgebieten, wovon 2000 Hektar zugunsten von Newmont weichen sollen. Ermöglicht werden soll dies mit internationaler Hilfe – die Mine Akyem ist ein Pilotprojekt des »Business and Biodiversity Offset Program«, an dem auch die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau beteiligt ist. »Die Idee hinter dem Programm ist es, die Zerstörung von Biodiversität durch alternative Projekte auszugleichen – in diesem Fall durch Wiederaufforstungsprojekte«, erklärt Fian-Spezialistin Ute Hausmann. Newmont Mining will diesen Mechanismus nutzen, um die umstrittene Mine eröffnen zu können. Doch in Ghana regt sich wachsender Widerstand, da 9000 Menschen durch das Minenprojekt ihr Land verlieren würden.
Die Kritiker in Westafrika erhalten nun Unterstützung aus der Schweiz. In Davos wurde das US-Unternehmen mit Firmensitz in Denver (Colorado) am Mittwoch zur »übelsten Firma« des Jahres 2009 gekürt. Den »Public Eye Award« erhält Newmont aufgrund der rücksichtslosen Zerstörung natürlicher Ressourcen. Jährlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos verleihen dort die globalisierungskritische »Erklärung von Bern« und Greenpeace den Schmähpreis an besonders skrupellos agierende Unternehmen. Newmont Mining befindet sich dabei in bester Gesellschaft: Der Schweizer Bergbaumulti steht ebenso auf der Liste der Preisträger wie Shell, Novartis oder die Citigroup.
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
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