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Foto: Marion Nitsch
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In Kolumbien erfordert es Mut, überhaupt einer Gewerkschaft beizutreten. Im seit Jahrzehnten anhaltenden Bürgerkrieg sind Gewerkschafter die häufigste Zielscheibe. Seit 1986 wurden in Kolumbien fast 3000 dieser Aktivisten ermordet, jeden dritten Tag einer. Allein im Jahr 2008 starben 45 Gewerkschafter. Nirgendwo sonst leben Gewerkschafter gefährlicher.
Da nimmt es nicht Wunder, dass bei der erstmaligen Verleihung des Public Eye Positive Award zwei kolumbianische Gewerkschafter ausgezeichnet wurden, die weit mehr als nur Mitglied sind: Jairo Quiroz Delgado und Freddy Lozano. Ihre Gewerkschaft Sìntracarbon engagiert sich hartnäckig und erfolgreich für die von der Kohlemine El Cerrejon betroffenen Gemeinschaften. Mit dem Public Eye (Öffentliches Auge) schafft die entwicklungspolitische Organisation »Erklärung von Bern« seit zehn Jahren in Davos eine Gegenöffentlichkeit zum Weltwirtschaftsforum. Neben den beiden Anti-Oskars für die übelsten Firmen der Schweiz und der Welt wurde 2009 erstmals der Positivpreis für mutige Aktivisten verliehen.
»Wir haben nicht das Gefühl, dass David nun Goliath besiegt hat«, äußerte Lozano bei seiner Dankesrede bescheiden. Seit 23 Jahren ist er Mechaniker in besagter Kohlemine, Jairo Quiroz Delgado ist ein Jahr länger als Elektrotechniker und Sozialpsychologe dabei. Gemeinsam haben sie für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen gekämpft, was 2006 in einen Gesamtarbeitsvertrag mündete. Und vor allem haben sie sich seit 2000 mit Sintracarbón gegen die gewaltsame Vertreibung der Menschen durch den Ausbau der Kohlemine gestemmt und sich auch nicht von Drohungen der paramilitärischen Gruppe Aguilas Negras (Schwarze Adler) davon abhalten lassen. Die Firma ist inzwischen bereit, die Umsiedlungen ohne Gewalt und mit Kompensationen durchzuführen. In Kolumbien eine seltene Ausnahme und durchaus einem Sieg von David gegen Goliath vergleichbar.
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
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