Marcel Deck und seine Kolleginnen von der GEBEWO im Beratungsbus
Foto: ND/Burkhard Lange
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Der Beratungsbus der Wohlfahrtsverbände fährt im Februar wieder durch die Bezirke von Mitte bis Marzahn. Mitarbeiter verschiedener Beratungsstellen informieren zu Themen wie Hartz IV, Schulden oder drohender Wohnungslosigkeit.
Dieser Tage steht der Bus gegenüber dem Jobcenter Neukölln an der Silbersteinstraße. Vor dem Eingang haben die Mitarbeiter der gemeinnützigen Gesellschaft zur Betreuung Wohnungsloser und sozial Schwacher mbH (GEBEWO) einen kleinen Stand aufgebaut, zu intensiveren Beratungen geht es aus der eisigen Kälte in den beheizten Bus.
Marcel Deck ist Einrichtungsleiter des Obdachlosenheims Teupe, wo Wohnungslose eine erste Aufnahme finden können. Er war schon vor drei Jahren mit dem Beratungsbus unterwegs. Damals standen sie auf dem Hermannplatz, das Echo sei aber »sehr verhalten« gewesen. Der Sozialpädagoge hofft, dass das Angebot in diesem Jahr stärker wahrgenommen und genutzt wird.
Es sieht ganz so aus, denn am Vormittag sind bereits vier Personen zur Beratung gekommen – alle hatten Fragen zu Problemen mit dem Amt. Nun ist Sozialarbeiter Michael Nordheim gerade dabei, dem gebürtigen Ägypter Abd-Elelaim Magraby dabei zu helfen, ein Formular auszufüllen. Der 57-Jährige ist seit 30 Jahren in Deutschland, spricht aber immer noch wenig Deutsch. Er soll eine schriftliche Stellungnahme für das Jobcenter verfassen, weil er eine Arbeitsstelle nicht angetreten hat. Die hatte ihn abgelehnt, weil sein Deutsch zu schlecht ist, was er jetzt in der Sprache, die er nicht kann, schriftlich niederlegen soll. Michael Nordheim füllt das Formular aus und drückt es Magraby in die Hand. Ob er schon mal an einen Sprachkurs gedacht habe, fragt der Sozialarbeiter vorsichtig. Magraby lacht.
Solche Probleme mit dem Jobcenter kennt Michael Nordheim von seiner Arbeit im Obdachlosenheim Teupe gut. »Viele Leute kennen ihre Rechte gar nicht«, meint der 30-Jährige. Oft falle es deshalb nicht auf, wenn sich Mitarbeiter des Jobcenters rechtswidrig verhalten. Doch Leistungskürzungen oder Falschberechnungen führten mitunter zu existenziellen Nöten, wenn das Geld zum Wohnen oder Essen plötzlich fehle. Durch die Präventionsarbeit und Beratung könnten Probleme wie Obdachlosigkeit eventuell noch abgewendet werden.
Ali Salim (Name geändert) aus Libanon kennt zwar seine Rechte, bekommt aber trotzdem nicht, was ihm zusteht. Der 56-jährige Vater von fünf Kindern spricht kaum Deutsch und ist schwerbehindert. Trotzdem nahm er im letzten Jahr fünf Monate lang eine ABM-Stelle an. Für diese Zeit stehe ihm noch Geld zu, meint er und holt aufgeregt seine Briefe an das Jobcenter heraus. Obwohl er sich Kopien der Anschreiben bei Abgabe abstempeln ließ, bekam er keine Reaktion. »Ganz viel Frust vom Jobcenter hören wir hier«, erzählt Sozialarbeiterin Bianca Neumann von den Ambulanten Diensten Süd&Ost.
In dieser Woche widmet sich der Beratungsbus weiter den Themen Schulden und Wohnungslosigkeit, ab dem 13. Februar geht es um Pflegeversicherung und Vorsorge im Alter.
Busstationen unter www.beratungsbus.de
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