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Von Walter Willems 07.02.2009 / Natur & Wissenschaft

Gigantischer Würger

13 Meter lange Urzeitboa wog mehr als eine Tonne

Eine lebende Königspython auf dem Wirbelknochen der fossile
Eine lebende Königspython auf dem Wirbelknochen der fossilen Titanoboa.

Länger als ein Bus und so schwer wie ein Auto: Im kolumbianischen Regenwald haben Forscher versteinerte Überreste einer gigantischen Riesenschlange entdeckt. Die ungiftige Würgeschlange maß nach den Berechnungen der Wissenschaftler 13 Meter und wog etwa 1,14 Tonnen. Das auf den Namen Titanoboa cerrejonensis getaufte Reptil lebte vor rund 60 Millionen Jahren.

Die riesigen Körpermaße versetzten auch die Entdecker des Urzeitwesens in Staunen. »Die Wirklichkeit hat sogar die Fantasien von Hollywood übertroffen«, sagt Jonathan Bloch von der Universität von Florida. »Der Körper der Schlange war so dick, dass sie, wenn sie mich in meinem Büro verschlingen wollte, sich buchstäblich durch die Tür pressen müsste«, erläutert Jason Head von der Universität Toronto.

Die Geologen und Paläontologen entdeckten die versteinerten Wirbelkörper des Ungetüms in der nordkolumbianischen Cerrejon-Mine, einer der größten oberirdischen Kohlegruben der Welt. Anhand des Verhältnisses zwischen Skelett und Größe heutiger Riesenschlangen berechneten die Wissenschaftler dann die Maße des Tiers, das während des Paläozäns kurz nach dem Verschwinden der Dinosaurier lebte. An der Fundstelle entdeckten die Forscher neben Pflanzenfossilien auch versteinerte Überreste von Riesenschildkröten und ausgestorbenen Krokodilen. Diese dürften dem Reptil als Nahrung gedient haben, mutmaßen die Forscher im Fachblatt »Nature« (Bd. 457, S. 715). »Jetzt haben wir einen Einblick in die Zeit kurz nach dem Aussterben der Dinosaurier, und wir können sehen, durch welche Tiere sie ersetzt wurden«, sagt Bloch.

Aber die Bedeutung des Sensationsfunds geht weit über die Zoologie hinaus. Allein von der schieren Größe des Reptils leiten die Forscher ab, dass die Temperaturen in den Tropen damals weit höher lagen als heutzutage. Zum Überleben brauchte die Schlange demnach eine jährliche Durchschnittstemperatur von etwa 32 Grad Celsius. Zum Vergleich: Der heutige Wert liegt in der nahegelegenen Küstenstadt Cartagena bei etwa 28 Grad. »Die tropischen Ökosysteme Südamerikas waren vor 60 Millionen Jahren überraschend anders«, sagt der Paläontologe Bloch. »Es war zwar auch Regenwald wie heute, aber es war noch heißer, und die wechselwarmen Reptilien waren wesentlich größer.«

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