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Von Thomas Wieczorek 07.02.2009 / Sport
Spitze Feder

Im Westen was Neues?

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Wer befürwortete 1977 schon damals verbotene Anabolika, »weil es offenbar Disziplinen gibt, in denen heute ohne den Einsatz dieser Mittel der leistungssportliche Wettbewerb in der Weltkonkurrenz nicht mehr mitgehalten werden kann«? Nein, weder Erich Mielke noch Erich Honecker. Sondern Wolfgang Schäuble, im Sportausschuss des Bundestages. Höchste Zeit also, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ein Forschungsprojekt über Doping im Westen angekündigt hat. Bis heute nämlich gilt beim Thema künstliche Leistungssteigerung: Ständig neue Enthüllungen aus dem Osten, aber im Westen nichts Neues.

Während nämlich die Stasi akribisch Buch führte, lief's im Westen eher nach der Geheimdienstmethode: »Dieses Dokument vernichtet sich nach zehn Sekunden automatisch.« Dabei brauchen sich die Wessis in punkto organisiertes Doping hinter den Ossis nicht zu verstecken. Populäre Trainer, ruhmreiche Athleten, anerkannte Mediziner, angeblich »gnadenlose« Kontrolleure sowie Funktionäre und Politiker hingen bis zum Hals heimlich mit drin. Ein geständiger Dopingsünder, der Ex-Kugelstoßer Gerd Steines, ist sicher: »Die Politik gab die Richtung vor … sich dabei in jeder Beziehung an der DDR orientierend.«

So könnte die Studie Peinliches ans Tageslicht bringen. »Goldener Glanz wird verblassen«, fürchtet sogar die FAZ«, »ewig frisch gehaltener Lorbeer der mit Tabletten unterfütterten Spiele von 1972 bis zumindest 2000 könnte endgültig welken.« Zwar waren Koryphäen wie Olympiaarzt Prof. Joseph Keul durchaus im Visier interner Ermittler. Aber Konsequenzen Fehlanzeige, wie auch Manfred von Richthofen, heute Ehrenpräsident des DOSB und damals Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), bestätigt: »Wir hielten Keul für hochbelastet in Fragen des Dopings.« Deshalb sollte er NOK-Chef Willi Daume überzeugen, dass Keul untragbar sei: »Ich trug ihm den Wunsch der Kommission vor. Er sagte mir nur: ›Das Gespräch ist beendet.‹ Dann haben wir uns noch eine Weile angeschwiegen.« Keul blieb Olympiaarzt.

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