»Kinderfilme sind keine Genre«, so die neue Direktorin der Kinder- und Jugendfilm-Sektion der Berlinale. »Wir zeigen auch klassische Kinderfilme, aber vor allem Dramen, Komödien, Fantasy-, Abenteuer- und Horrorfilme, in denen Kinder eine tragende Rolle spielen, die – unserer Meinung nach – für Kinder interessant sind.«
Mit Kindern hat Maryanne Redpath Erfahrung. Die Mutter von einem mittlerweile 26-jährigen Sohn und einer 19-jährigen Tochter hat lange Zeit mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. 1957 in Neuseeland geboren, studierte sie zunächst Theaterwissenschaften und arbeitete in den 80er Jahren in Sydney als Performance-Künstlerin. Zudem gab sie behinderten Kindern und Kindern von Aborigines Theaterunterricht.
Nach Berlin kam Maryanne Redpath 1985. Zusammen mit ihrer Familie führte sie ein Kunststipendium über Südostasien, Russland und Holland nach Großbritannien. In Europa wollten sie bleiben, Madrid oder Berlin standen zur Auswahl. Eine Münze wurde geworfen, »heads or tails«, Kopf oder Zahl sollte entscheiden. Die Münze zeigte auf Berlin. Maryanne arbeitete zunächst als Babysitterin, unterrichtete Englisch und kam 1993 »als professionelle Quereinsteigerin« zur Berlinale. Zwei Jahre lang war sie im Büro des damaligen Festivalchefs Moritz de Hadeln »das Mädchen für alles«, dann wurde sie die Assistentin von Renate Zylla, der Leiterin des Kinderfilmfestes. Die beiden Frauen arbeiteten viel und engagiert, in einem kleinen Büro in der Budapester Straße am Zoo, wo noch »getelext« wurde und es keinen Computer gab. In dieser Zeit wurden im Programm verstärkt Filmen eine Chance gegeben, die sich an ältere Kinder wandten, und damit heiße Diskussionen um die Frage »Was ist ein Kinderfilm?« entfacht. Die Intentionen von Renate Zylla führten später unter Thomas Hailer zu der Reihe 14plus, einem Wettbewerb für das jugendliche Publikum.
Auf das diesjährige Festival blickt Maryanne Redpath relativ gelassen: »Wir hatten 1100 Einreichungen, so viele wie nie zuvor. Jetzt sind wir gespannt auf die Reaktionen der Kinder.« Und dass die von der neuen Direktorin sehr ernst genommen werden, versteht sich von selbst!
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
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