Auch wenn viele Deutsche die brasilianische Wachs- oder Fächerpalme (Copernicia cerifera) nie zu Gesicht bekommen haben: Sie verspeisen Tag für Tag ein Produkt, das aus den Blättern dieser Palme stammt. Es handelt sich um Carnaubawachs, auch bekannt als E 903.
Carnaubawachs ist ein Trenn- und Überzugsmittel, das nicht nur Schokolade und Süßwaren ihren Glanz verleiht, sondern auch Kaugummis, Kaffeebohnen und Knabbererzeugnissen. Ob Zitrusfrüchte, Äpfel, Birnen, Melonen oder Pfirsiche – alle werden mit E 903 gewachst und bleiben dadurch länger frisch. Auch in Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten steckt der Zusatzstoff drin.
Zur Gewinnung wird das gelblichgrüne Wachs als Staub von den Palmwedeln gebürstet. Anschließend wird es geschmolzen und mit Schwefelsäure sowie Bleicherde entfärbt. Ein Blatt liefert pro Jahr etwa 200 Gramm Zusatzstoff. Der große Vorteil von Carnaubawachs besteht darin, dass es härter und hitzestabiler ist als Bienen- oder Candelillawachs.
Die EU-Kommission kommt zu dem Schluss, dass das Palmenprodukt gesundheitlich unbedenklich ist – zumindest im Reagenzglas. Da keine Langzeituntersuchungen mit Tieren oder Menschen vorliegen, sind bisher maximal 200 Milligramm Wachs pro Kilo Produkt zugelassen. Damit würden die Europäer »im schlimmsten Fall« über Schokolade und Süßwaren rund acht Milligramm E 903 pro Tag schlucken, so der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss. Der tatsächliche Gesamtverzehr von Carnaubawachs dürfte jedoch viel höher liegen. Denn über die Zufuhr durch andere Waren wie Äpfel oder Birnen haben die Experten großzügig hinweggesehen. Tamás Nagy
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
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