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Birgit Minichmayr und Lars Eidinger
Foto: Berlinale
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Die Paarbildung unter den Menschen hat etwas latent Lächerliches. Im Alltag ist das sicherlich eine Überlebenshilfe, gefährlich wird es, wenn man sich nur der eigenen Zweisamkeit zu widmen beginnt. Im Urlaub etwa. Da fühlt man sich dann schnell sehr einsam. Ganz schlimm wird es, wenn nur noch die eigenen Befindlichkeiten zum tages- und nachtfüllenden Thema werden: Sag, dass du mich liebst! Warum sagst du es so und nicht wie damals? Warum schaust du so merkwürdig? Hasst du mich etwa? Ja, bei so was wird selbst der friedfertigste Urlauber zum Mörder in Gedanken. Darüber gibt es wichtige Filme von Ingmar Bergman und Godard (»Die Verachtung«). Woody Allen hat dafür eine eigene Filmsprache gefunden und unter den deutschen Regisseuren auch Christian Petzold.
Nun also Maren Ade mit »Alle anderen«. Ihr zweiter Film erst, der sich – man kann es nicht anders sagen – auf unerklärliche Weise in den Berlinale-Wettbewerb verirrt hat. Eine peinliche Sache für die ansonsten thematisch so ambitionierte Auswahl. Chris und Gitti heißen die beiden, die erst auf Sardinien merken, dass sie mehr trennt als verbindet. Sie forciert ständig, er bremst. Die Dialoge haben es in sich: »Du bist die schönste Frau in der ganzen Disco«, sagt er, aber nur, um seine Ruhe zu haben. Sie sagt: »Und dann habe ich mir etwas gekauft, was mir eigentlich nicht gefällt.« Das zur dramatischen Fallhöhe.
Er ist Architekt und macht in seiner Arbeit keine Kompromisse, darum hat er auch keine Aufträge. Aber sein Privatleben scheint ein einziger Kompromiss. Sie sagt jedem direkt ins Gesicht, was sie von ihm hält und arbeitet trotz dieser fatalen Neigung in einer PR-Agentur. Das Paar versucht auffallend angestrengt zu verbergen wie es sich miteinander langweilt. Statt dessen redet man immer über etwas anderes, aber das langweilt – volle zwei Stunden lang – dann die Zuschauer. Macht doch endlich Schluss, möchte man in diese Paarzwangsveranstaltung hineinrufen, die da über die Leinwand stolpert. Ja, man quält sich und uns. Aber manche Qualen sind vermeidbar – und die von Chris und Gitti scheinen das von Anfang an.
Das eigentlich Traurige an diesem völlig verquasten Beitrag, der wie von einer Therapeutenselbsthilfegruppe im Wochenendworkshop verfertigt wirkt, sind die Schauspieler. Lars Eidinger von der Berliner Schaubühne und Birgit Minichmayr, beide müssen niemandem mehr beweisen, wie gut sie eigentlich sind. Sie sind es, aber nicht in diesem Film. Eidinger kommt mit seiner Rolle als struktureller Selbstverhinderer sehr viel besser zurecht als Birgit Minichmayr mit der schwer hysterischen Lebensmaximalistin. Darum spielt sie auch so wie man es macht, wenn einem auf der Bühne unbehaglich wird: für die zwanzigste Reihe. Und flüchtet sich dabei, wie mir scheint, mehr als einmal in die Pose des von ihr so großartig verkörperten Narren im »König Lear«. Auch eine Lösung: Unerreichbar werden in all dem Paargeschwätz, das nur ein großes Schweigen verbirgt.
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