In letzter Zeit war es ruhig geworden um den ehemaligen Straßenkämpfer und Außenminister. Lediglich sein arrogantes Auftreten vorm BND-Untersuchungsausschuss war einigen Zeitungen im Dezember des letzten Jahres eine Meldung wert. Doch am 19. Februar hat Fischer endlich wieder einen seiner großen Auftritte – diesmal auf der Private Equity Conference in Frankfurt am Main. Anlass ist die Auflage eines neuen internationalen Fonds der Münchener RWB AG, einer deutschen Beteiligungsgesellschaft. Die Heuschrecken profitieren also auch von der Krise. Denn wer jetzt investiert, bekommt die Beteiligungen zum Schnäppchenpreis, da sich die Unternehmenswerte im freien Fall befinden, wie der Investmentbanker Tom Clausen verrät.
Doch die Beteiligungsbranche hat ein massives Imageproblem. Spätestens seit der Insolvenz des Modelleisenbahn-Produzenten Märklin wird auch in den bürgerlichen Medien Kritik an der fragwürdigen Praxis der Investoren laut, bislang galten die Private Equity Firmen gegenüber Hedgefonds als kleineres Übel. Doch der britische Finanzinvestor Kingsbridge hatte Märklin regelrecht ausgeplündert. So musste das traditionsreiche Unternehmen Managementgebühren nach London abführen und 40 Millionen Euro für letztendlich wertlose Gutachten zahlen. Geld, das anscheinend bei Kingsbridge versickerte. Es gehört zur üblichen Praxis dieser Beteiligungsgesellschaften, alle Kosten den übernommenen Unternehmen aufzubürden. Besonders in der Krise wird deutlich, dass die Spekulanten kein Interesse an langfristigen Strategien haben. Gerät eines der Unternehmen in Schieflage, lässt man es fallen.
Diese Tatsachen dürften auch Joschka Fischer bekannt sein. Doch bereits der Bundesabgeordnete Fischer war als Gastredner bei Investmentbanken und -fonds beliebt: Barclays Kapital, DWS Invest oder Goldman Sachs, die Liste seiner Auftraggeber aus dem Jahre 2006, seinem letzten als Bundestagsabgeordneter, liest sich wie ein Who is Who der Branche. Auf der nun bevorstehenden Konferenz im Frankfurter Marriott Hotel wird er über »ökonomische Herausforderungen und Chancen« referieren. Und Fischer weiß, wovon er redet, schließlich ist er selbst für den Hedgefonds der ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright tätig. Als »strategischer Berater« nutzt Fischer die während seiner Amtszeit erworbenen intimen Kenntnisse der Probleme armer Länder. Denn die Albright Capital Management hat sich auf risikoreiche Märkte in den Schwellenländern Osteuropas und Afrikas spezialisiert.
Außerdem vermittelt der Fonds auch Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP), in denen private und staatliche Akteure kooperieren – oft zum Nachteil der öffentlichen Hand. Natürlich betreut die Albright Capital auch anstehende Privatisierungen. Da schadet es sicher nicht, wenn man die zuständigen Politiker aus seiner Amtszeit als Minister persönlich kennt. Insofern werden Banker und »vermögende Privatpersonen« den Ausführungen Joschkas Fischer interessiert folgen, denn hier versteht jemand sein Geschäft.
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
Wasserbüffel und Mais-Monokultur Brandenburgs durchwachsene Bilanz in Sachen Naturschutz
Chancen für weniger Fluglärm Gutachten zeigen Alternativen für Fraport
"Eine äusserst gefährliche Entwicklung"
US-Kriegsveteranen demonstrieren gegen das Kriegsbündnis
Preis: 100,00 €
Preis: 4,00 €
Werbung:
Werbung: