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Von Jana Findeisen 13.02.2009 / Berlin / Brandenburg

Die Männerversteherin

Annett Louisan stellte am Mittwoch ihre neue Platte »Teilzeithippie« im Tempodrom vor

Höchstens hinter der Bühne Hippie: Annett Louisan
Höchstens hinter der Bühne Hippie: Annett Louisan

»Ich will doch nur spielen. Ich tu' doch nichts«, sang Annett Louisan 2004. Man muss es ihr lassen: Spielen kann sie wirklich gut. Dass sie dabei klingt, als sei das Rest-Helium noch nicht verflogen, gehört zum Konzept. Auf ihrer Tournee zum vierten Album »Teilzeithippie« mimt sie wieder die ewige Kindfrau; mal kokett, mal leicht frustriert, aber immer mit ganz viel Verständnis fürs andere, ihr völlig ausgelieferte Geschlecht. Am Mittwochabend gastierte die Chanteuse, deren Debutalbum »Bohème« allein in Deutschland über 450 000 Mal verkauft wurde, mit ihrem neuen Programm im Tempodrom.

Sieht man davon ab, dass die 31-Jährige klingt, als sei sie mit acht stimmlich stehen geblieben, bewegt sich ihre Musik auf hohem Niveau. Ihre Kernkompetenz, das Singen, beherrscht »die Louisan« ohne Zweifel, ihre Darbietung überzeugt, Patzer gibt es kaum. Ihre fünf musikalischen »Loverboys«, sind von erster Güte: Cellist und Multiinstrumentalist Friedrich Paravicini, Kontrabassist Olaf Casimir, Schlagzeuger Christoph Buhse und die Gitarristen Jürgen Kumlehn und Hardy Kayser bieten ein perfektes Zusammenspiel. Die Kompositionen bedienen sich gekonnt quer durch die Hotellobby-Genres – Schlager, Jazz, Latin und zwischendrin ein rockiger Refrain.

Von einer »neuen Louisan« war vorab die Rede, immerhin hatte sie ja auch, um mal alle Klischees zu bedienen, die Haarfarbe gewechselt. Zurück zu Brünett und auch musikalisch »back to the roots«. Nach den Alben »Unausgesprochen« und »Das optimale Leben« jetzt also die neue, alte Louisan.

Deren neue Stücke sind vom Titelsong »Das schlechte Gewissen« an trotz Perfektion und bemüht frivoler Texte ziemlich unaufregend. Louisan mimt die kleine Revoluzzerin im Botschaftskostüm, aber eigentlich verhält es sich umgekehrt. Sie singt von der Liebe im neuen Jahrtausend und transportiert doch vor allem alte Rollenklischees in neuem Gewand. Die Ironie des Texters Frank Ramond, der schon für Udo Lindenberg, Yvonne Catterfeld und Roger Cicero geschrieben hat, verschwindet – so es sie denn gibt – in Louisans Vortrag bis zur Unkenntlichkeit.

Vielleicht sollte Louisan lieber anfangen, selber zu texten. Wenn sie dazu die Babystimme ad Acta legen würde, hätte sie vielleicht das Zeug zum weiblichen Max Raabe. Potenzial hat sie. In den seltenen Momenten, in denen sie die Lolita zu vergessen scheint, lässt sich erleben, was die Frau wirklich an Varianten und ausgewachsener Stimme drauf hat.

Die Zuhörer im Tempodrom würden wohl widersprechen. Sie lieben ihre Kindfrau. Louisan ist der feuchte Traum des Schwiegervaters und das freche Ding, das Mama immer sein wollte. Am Ende des Konzerts gibt es vier Zugaben, das vornehmlich ältere Publikum im Saal klatscht und jubelt frenetisch. Stehende Ovationen für die niedlichste Männerversteherin der Welt, die niemandem etwas tut. Oder doch?

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