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Von Alexander Richter 14.02.2009 / Reise

In der »Heimat der Gesegneten«

St. Vincent & the Grenadines – karibischer Geheimtipp für Individualisten

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Auf der Hauptinsel St. Vincent sind die Strände schwarz.

Sie sind so richtig stolz auf ihre 33 Inseln, die glücklichen Leute von St. Vincent & the Grenadines (SVG) in der südlichen Karibik. Schon am kleinen Flughafen der Hauptstadt Kingstown sind einheimische Gefühlsausbrüche wie »Yes, I'm home, that's my beautful homeland« keine Seltenheit.

Noch hat der Massentourismus diese Landkleckse der Kleinen Antillen nicht entdeckt. Auch die US-FastFood-Ketten machen um SVG (noch) einen Bogen. »Kein Geschäft hier«, sagen sie und eröffnen lieber im benachbarten Barbados eine weitere Bouletten-Bude.

Eine glückliche Alternative

Thomas Mervyn (70) ist ein Musterbeispiel eines »happy man«. Seit jetzt 30 Jahren fährt er Taxi auf St. Vincent und erzählt seinen Fahrgästen bei einer Art Stadtrundfahrt Geschichten, die in keinem Reiseführer stehen. Wie zum Beispiel seine spannende Lebensgeschichte: Tom war Cop in Port of Spain auf seiner Geburtsinsel Trinidad. Im Job wurde er zweimal angeschossen, kämpfte im Krankenhaus um sein Leben.

Seine Frau stellte ihn vor die Alternative: »Entweder du nimmst als Polizist deinen Abschied und wir ziehen nach St. Vincent oder du bist mich los!« Und wie so oft im Leben: Frau setzte sich durch, und Mann ist mit sich und der Welt zufrieden. Seine Stadtführungen haben Ähnlichkeiten mit Power-Kopfgymnastik: »Links sehen sie, rechts sehen sie ...«

Eine Inselrundfahrt, die Tom auch anbietet, dauert einen ganzen Tag und führt über teilweise sehr holprige Straßen ins normale südkaribische Alltagsleben. So gut wie gar nichts ist hier touristisch aufgepeppelt: Wilder Müll fliegt zuhauf durch die Gegend, die Rasta-People starren die Wände der bunten Häuschen an und die Schulkinder bauen sich (ohne Hintergedanken) vor den Kameras der Touristen auf.

St. Vincent und die Inselgruppe der Grenadinen sind ein Zwergstaat par exellence: 115 000 Menschen teilen sich die Eilande, von denen St. Vincent das größte ist. Die Hauptinsel bietet ausschließlich schwarze Strände. Wer sich an Land ein wenig sportlich betätigen will, sollte rund sieben schweißtreibende Stunden investieren und quer durch den Regenwald den Vulkan La Soufrière (1234 m hoch) besteigen. Der Weg ist zwar mühsam, lohnt am Gipfel aber mit einem beeindruckenden Rundumblick. Wer Mut hat, kann sich in den Krater abseilen lassen und im Vulkanschlamm baden. Der noch aktive Vulkan spuckte 1979 das letzte Mal Feuer und Asche.

Für Tourismusminister Glen Beache (38) ist diese Art von Naturaktivität eine der Zukunftsoptionen der Insel. »Wir wollen einen sanften Tourismus, der Rücksicht nimmt auf unsere Kultur und Geschichte und der sich deutlich unterscheidet von anderen karibischen Inseln. Aber: »Wir müssen unseren Menschen hier den Tourismus erst begreiflich machen.« Investiert wird vor allem in einen neuen Airport, den ab 2011 auch große Jets anfliegen sollen.

Bekannter in der Welt wurden die Inseln, als Hollywood-Filmer bei Wallilabou an der Westküste perfekte Szenarien für den Disneystreifen »Pirates of the Carribean« mit Johnny Depp fanden und für einige Zeit mit Beschlag belegten. Die Einheimischen hat's nicht gestört: Die Dreharbeiten brachten Abwechslung in den wenig spannenden Alltag.

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Solokonzert am Strand auf einem Naturinstrument

Die Geschichte des Mikrokosmos am südlichen Ende des Antillenbogens ist schnell erzählt. Kolumbus soll die Insel 1498 am Tag des Heiligen Vinzenz entdeckt haben, was den Namen erklärt. Den freilich gebrauch(t)en die Ureinwohner nicht – sie nannten ihre Heimat schlicht »Hairoun«, was so viel wie »Heimat der Gesegneten« bedeutet. Eine Bezeichnung übrigens, die immer noch geläufig ist – das schmackhafte Bier der Insel heißt heute »Hairoun« und beschert einem nach einigen Flaschen auch einen schönen Segen.

1783 wurde St. Vincent & the Grenadines für fast 200 Jahre englische Kolonie, bevor es – ziemlich heruntergewirtschaftet – vor 30 Jahren in die Commonwealth-Unabhängigkeit entlassen wurde.

Wie 32 ins Meer geworfene Perlen

Ganz anders als die Hauptinsel sind die 32 Grenadinen beschaffen: Wie wahllos im Meer verstreute Perlen sind die Eilande ein Stück »Karibik vom Feinsten«: Traumstrände, Palmenidyll, lockeres Leben. Ein Dorado für Segler, Flitterwöchner und Sonnenanbeter. Die kristallklare See lädt z. B. vor den Tobago Cays bei Sichttiefen bis zu 35 Metern zum Tauchen und Schnorcheln ein: Doktor- und Parrotfische, Schildkröten und jede Menge große Muscheln.

Wie gemacht sind die Grenadinen für ein spannendes Inselhopping. Etwa nach Mustique, die luxuriöse Lieblingsinsel von Rockstars, Blaublütern sowie allerlei Modesternchen. Mick Jagger oder Madonna beispielsweise faulenzen hier gern in sündhaft elegant-teuren Privatvillen, ebenso Claudia Schiffer oder das Umfeld des britischen Königshauses. Einst gehörte die Insel dem britischen Lord Colin Tennant, der einen Teil Prinzessin Margaret als Hochzeitsgeschenk offerierte. Heute ist Mustique auch für Otto und Berta zugänglich, wenn sie denn genügend auf der hohen Kante haben: Man wohnt im eleganten und teuren Cotton House Resort oder ankert vor Basil's Bar und gönnt sich in legerer Atmosphäre einen Drink.

Auf Canouan nimmt gut die Hälfte der Insel ein Luxusresort ein, das von der Raffles-Gruppe gemanagt wird. Darüber hinaus ist die Insel mit ihrem neuen Flughafen, an dem eine deutsche Firma aus Koblenz maßgeblich mitgeplant hat, langweilig: vier Mini-Supermärkte, zwei Souvenirshops – das war's.

Viel spannender ist Bequia (sprich: bekwey): Die Insel mit ihren knapp 6000 Menschen war einst das Zentrum des Walfangs in der Karibik. Zeiten, die lange vorbei sind. Offiziell dürfen auf St. Vincent & the Grenadines zwar noch vier Wale pro Jahr gefangen werden, »aber im letzten Jahr haben wir gerade mal einen Buckelwal gehabt, wir haben keine Boote und keine Leute«, erzählt Kapitän a. D. Horolo Corea, der mit wenig Mitteln, aber viel Hingabe ein kleines Museum betreibt, das die Geschichte des Walfangs im Süden der Karibik festgehalten hat.

Auf einigen Mini-Eilanden der Grenadinen hat der verwöhnte Gast gleich das ganze Stück Land im Meer (allein) für sich. Auf Young Island finden in 28 Häusern bis zu 56 Gäste Platz pro Nacht. Der Preis allerdings ist so exklusive wie der Ort: inklusive Vollpension und diversen Wassersportaktivitäten zahlt man knapp 9000 Euro für 24 Stunden.

Das vielleicht exklusivste Resort der ganzen Karibik auf Petit St. Vincent bietet im äußersten Süden der Grenadinen vor allem eines – nichts! Keinen Flugplatz, kein Fernsehen, kein Telefon, fast keine Technik. Dafür 45 Hektar Fläche und drei Kilometer weißen Sand am Strand. Dazu: 22 Villen und pro Gast zwei Bedienstete, die für ihn rund um die Uhr da sind, wenn man ihnen einen Wink gibt. Das ist hier im Übrigen ganz wörtlich gemeint: Hisst man eine gelbe Flagge, erscheinen die dienstwilligen Geister, um sich nach den Wünschen zu erkundigen. Setzt man dagegen die rote Flagge, heißt das: Wehe es kommt einer! Bitte keine Störung!

  • Infos: www.svgtourism.com
  • Anreise: St. Vincent & the Grenadines (SVG) werden von Deutschland nicht direkt angeflogen. Flüge auf die großen Nachbar- und Urlaubsinseln sind mit Condor (Barbados) oder z.B. mit Air France (Martinique), KLM oder BA möglich. Von fast allen Inseln der südlichen Karibik starten, teilweise mehrmals täglich, Zubringerflüge nach SVG. Bei der Ausreise wird eine Flughafensteuer von derzeit 40 ECD oder 20 USD fällig.
  • Währung: Eastern Carribean Dollar (ECD). 1 Euro = ca. 4 ECD
  • Buchtipp: Karibik + Kleine Antillen. Aus der Reihe Polyglott/Apa Guide, ISBN: 978-3-8268-1934-6, 21,95 Euro.

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