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Von Bernd Kammer 17.02.2009 / Berlin / Brandenburg

»Goldener Teppich« für die Mode

Bread & Butter soll der Stadt 120 Millionen Euro Einnahmen bescheren

Dass der Regierende Bürgermeister im Parlament auf den Verwaltungsstühlen Platz nehmen will, kommt nicht alle Tage vor. Im Stadtentwicklungssausschuss wurde Klaus Wowereit (SPD) denn gestern auch schnell nach vorn neben den Ausschussvorsitzenden gebeten, und dort war von Bescheidenheit kein Platz. Mit Vehemenz verteidigte Wowereit erneut die Ansiedlung der Modemesse Bread & Butter in Tempelhof als »Schlüsselentscheidung für den Kreativstandort« und »riesigen Impuls für die wirtschaftliche Situation« der Stadt. »In ganz Europa wäre für die Messe nicht nur der rote, sondern der goldene Teppich ausgerollt worden.«

Die Zahlen klingen auch nicht schlecht. Die Messe will zweimal im Jahr für jeweils einen Monat alle sieben Hangars und die Haupthalle des stillgelegten Flughafens mieten. Die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) hat ausgerechnet, das bei 80 000 Besuchern – etwa so viele hatte die Bread & Butter in Barcelona – Berlin jährlich 120 Millionen Euro einnehmen könnte. »Davon würden Hotels, Gaststätten, Taxis oder das Café an der Ecke profitieren«, so BTM-Chef Burkhard Kieker bei der Anhörung.

Um die Gebäude für die Messenutzung herzurichten, muss Berlin in das Gebäude aber zunächst fünf Millionen Euro investieren, etwa für Lüftungs- und Heizungsanlagen und Toiletten, bestätigte Sven Lemiss, Geschäftsführer der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Das brennende Interesse der Opposition an der Höhe der Miete, die die Messe zahlt, wollte der Senat aber auch gestern nicht befriedigen. Lemiss sagte lediglich, die »Kostensituation« des Flughafens werde sich nachhaltig verbessern. Es seien »deutlich mehr Einnahmen« möglich als durch eine Einmalvermietung das ganze Jahr über.

Die Oppositionsparteien warfen dem Senat im Allgemeinen »Geheimniskrämerei« und dem »Kaiser Wowereit« im Besonderen »Selbstherrlichkeit« vor, weil er sich in ein laufendes Verfahren eingemischt und vollendete Tatsachen geschaffen habe, so Claudia Hämmerling von den Grünen. Der FDP-Abgeordnete Albert Weingartner konnte nicht verstehen, warum die Filmstudios Babelsberg keine Chance hatten, obwohl sie das Areal ein ganzes Jahr über und nicht nur zwei Monate mieten wollten. Die IHK sieht in dem Verfahren für die Investoren keine Chancengleichheit gegeben. Das schade der Verlässlichkeit der Stadt. Neben der Modemesse hätten jetzt nur noch kurzfristige Eventnutzungen eine Chance. Hauptgeschäftsführer Jan Eder befürchtet zudem eine Schwächung des Messeplatzes am Funkturm. »Beide Standorte werden sich gegenseitig kannibalisieren.«

Auch in der Linkspartei sind offenbar nicht alle komplett begeistert darüber, wie die Entscheidung für Bread & Butter gelaufen ist. Ausschussvorsitzender Thomas Flierl sieht die Gefahr einer »Event-Blase« und hätte offenbar lieber die Stadt selber mit einer öffentlichen Einrichtung als Ankermieter gesehen. Dafür habe die Stadt keine Mittel, entgegnete Wowereit.

Zum Schluss wunderte sich der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz noch über die Opposition: Da fordere sie immer, dass der Regierende so wichtige Dinge zur Chefsache macht, und dann ist es auch nicht recht.

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