Die Spatzen pfiffen es seit Wochen von den Dächern. Jetzt ist es offiziell: Der Volksentscheid über die Einführung eines Wahlpflichtfachs Religion an Berliner Schulen der von den Kirchen getragenen Initiative Pro Reli wird am 26. April und nicht parallel zur Europawahl am 7. Juni stattfinden. Das hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) durchgedrückt – gegen alle Bedenken, auch aus den eigenen Reihen.
Seltsam an der Entscheidung Wowereits für einen frühen Termin ist vor allem die Steilvorlage, die er der schwarz-gelben Opposition damit liefert: Diese und die Kirchen, denen es in Wirklichkeit nur darum geht, auch noch die Restkosten für den Religionsunterricht auf das Land abzuwälzen, werden bis zum Wahltermin den Regierenden permanent als »Trickser« und »Betrüger« attackieren können. Besser kann man seinen Gegner kaum munitionieren.
Und tatsächlich spielt Wowereit Vabanque: Soll doch der frühe Wahltermin schlicht und einfach dazu führen, dass das nötige Quorum für eine Einführung eines Wahlpflichtfachs Religion nicht zusammenkommt. Denn offenbar geht der Regierende davon aus, dass die Kirchen ihr Mobilisierungspotenzial bereits erschöpft haben.
Wie auch immer die Zockerei Wowereits ausgeht. Fest steht bereits jetzt, dass der frühe Termin für Parteien wie LINKE und Grüne Probleme bereitet. Denn deren Wählerklientel, die voll hinter dem gemeinsamen Ethikunterricht steht, wird schwer an die Urnen zu bewegen sein, nur um ihrer Ablehnung gegenüber dem anachronistischen Kirchenbegehren Ausdruck zu verleihen.
20:00 Uhr, Berlin
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