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Von Bernd Kammer 28.02.2009 / Berlin / Brandenburg

Sechsspurig nach Treptow

Bürger können Pläne für Verlängerung der Stadtautobahn einsehen

Eines der umstrittensten Verkehrsprojekte kommt jetzt in die entscheidende Phase: Mit der öffentlichen Auslegung der Pläne beginnt am 9. März das Genehmigungsverfahren für die Verlängerung des Autobahn-Stadtrings A 100 vom Dreieck Neukölln nach Treptow. Mit Kosten von rund 440 Millionen Euro gilt der 3,2 Kilometer lange Abschnitt schon jetzt als teuerste Autobahn Deutschlands. Bürgerinitiativen und Umweltverbände laufen seit Jahren Sturm gegen die »Pläne aus der Mottenkiste der autogerechten Stadtplanung«, weil sie zunehmenden Verkehr und Umweltbelastung befürchten.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) erwartet dagegen genau das Gegenteil. »Durch die Bündelung des Verkehrs werden Wohnquartiere im Berliner Südosten um 14 Prozent von Autoverkehr entlastet«, sagte sie gestern bei der Vorstellung des Projekts. Am Treptower Park rechnet sie sogar mit einer Halbierung des Verkehrs. Aber auch in den Wohngebieten entlang von Baumschulenweg, Dammweg und Karl-Marx-Straße werde die Lebensqualität verbessert. Zudem würden die Wirtschaftsstandorte in Friedrichshain, Lichtenberg und Nord-Neukölln aufgewertet und die östlichen Bezirke besser an den Flughafen BBI angebunden.

Für die Trasse müssen 300 Kleingartenparzellen weichen und an der Treptower Beermannstraße vier Häuser mit 200 Wohnungen abgerissen werden. Hinter dem Dreieck Neukölln taucht sie in einen 385 Meter langen Tunnel ab, danach verläuft die sechsspurige Betonpiste in einem sieben Meter tiefen, schallabsorbierenden Geländeeinschnitt (Trog), um an der Beermannstraße wieder aufzutauchen. Zwischen S-Bahntrasse und Park-Center wird der Anschluss zur Straße am Treptower Park gebaut. Auch S-Bahn-Fahrgäste werden vom Autobahnbau betroffen sein – zur Unterquerung der Ringbahntrasse muss die S-Bahn unterbrochen werden.

Wo die Autobahn Wohnhäusern besonders nahe kommt, werden sechs Meter hohe Lärmschutzwände errichtet, außerdem soll – erstmals in Berlin – die Strecke Flüsterasphalt erhalten.

Die Kosten trägt zum Großteil der Bund. 364 Millionen Euro sind als reine Baukosten veranschlagt, 55,5 Millionen für den Grundstückserwerb. Berlin muss gut 20 Millionen Euro für Planungskosten aufbringen, hofft aber, einen Teil davon durch den Verkauf der Kleingartenflächen an den Bund wieder hereinzubekommen. Der Planfeststellungsbeschluss wird für nächstes Jahr erwartet, 2011 könnte dann Baubeginn sein, 2017 die Fertigstellung.

Doch Anwohner der Treptower Elsenstraße haben bereits Klagen angekündigt, Unterstützung bekommen sie dafür vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der eventuell selbst klagen will. Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg schickte erst in dieser Woche einen von der SPD initiierten Appell an den Senat mit der Überschrift »Keine Autobahn nach Friedrichshain«. Eine vom Bezirksamt beauftragte Studie war zum Ergebnis gekommen, dass durch die Autobahn besonders an der Kreuzung Elsenbrük- ke/Stralauer Allee der Superstau drohe.

Die Senatsplaner weisen das zurück. Die Elsenbrücke würden künftig 74 000 Fahrzeuge täglich passieren, nur 5000 mehr als derzeit. Das lasse sich mit baulichen Maßnahmen abwickeln, so Burkart Horn von der Stadtentwicklungsverwaltung. An der Anschlussstelle Treptower Park werden täglich 60 000 Fahrzeuge erwartet.

Geht es nach der Stadtentwicklungssenatorin, ist für den Stadtring in Treptow noch nicht Schluss. Sie denkt über weitere drei Kilometer Verlängerung zur Frankfurter Allee nach, denn »das könnte Sinn machen«.

Zwischen Autobahndreieck Neukölln und AmTreptower Park soll der 16. Abschnitt des Autobahnrings entstehen. Die Bürger können die Pläne ab 9. März in den Rathäusern Neukölln und Treptow einsehen. Eventuell wird dann bald weiter geplant – bis zur Frankfurter Allee.

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