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Von Jörg Meyer 02.03.2009 / Berlin / Brandenburg

Kleiderkammer im SA-Sturmlokal

Gegen den »Thor-Steinar«-Laden in Friedrichshain regt sich heftiger Widerstand der Anwohner

Die Polizei verhinderte am Samstag eine Stürmung des Beklei
Die Polizei verhinderte am Samstag eine Stürmung des Bekleidungsgeschäfts in Friedrichshain.

Zu Beginn gab es einen Test, wer schneller ist. Kurz nach Kundgebungsbeginn gegen den neuen »Thor Steinar«-Laden »Tromsø« in Friedrichshain rannten Antifas über die Petersburger Straße. Die Polizei, die mit 140 Beamten im Einsatz war, konnte die Menge jedoch vor der Stürmung des umstrittenen Geschäfts an den Straßenbahnschienen stoppen. Rund 250 Menschen hatten sich am Samstagmorgen versammelt, um gegen die Eröffnung des Klamottengeschäfts der bei Neonazis beliebten Marke »Thor Steinar« zu protestieren.

Sie trafen sich um 9.30 Uhr auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Hauses Petersburger Straße 94. Dort, wo sich Neonazis jetzt mit Klamotten eindecken, befand sich in den 1930er Jahren das »Keglerheim«, ein Sturmlokal der faschistischen SA, in der nach der Machtergreifung 1933 hunderte Antifaschisten misshandelt oder ermordet wurden. Nur wenige Meter neben der Gedenkplakette zur lokalen Naziterror-Zentrale befindet sich der Eingang zum Bekleidungsgeschäft. Das war am Samstag zwar geöffnet, bloß fanden sich keine Käufer.

Denn die Polizei hatte das Geschäft mit zwei Mannschaftswagen, die vor den Schaufenstern Stoßstange an Stoßstange parkten, blockiert. Das »Tromsø« ist neben der Filiale in der Rosa-Luxemburg-Straße 18 und dem »Doorbreaker« im RingCenter an der Frankfurter Allee der dritte derartige Laden in Berlin. Die Grünen-Abgeordnete Clara Herrmann hatte Donnerstag kurzfristig zur Kundgebung aufgerufen, nachdem sich die Gerüchte über die Eröffnung bewahrheitet hatten.

Auch die Friedrichshainer Initiative gegen Rechts mobilisierte zur Kundgebung. »Für die Rechten ist das hier eine schlechte Nachbarschaft«, sagte die Initiativen-Sprecherin, die SPD-Abgeordnete Canan Bayram gegenüber ND. Die Nazis sähen die Eröffnung eines Ladens, »der hier nur Miese machen wird«, als politische Aktion, ergänzte Markus Roth von der Initiative. Friedrichshain sei bereits jetzt stadtweit Nummer Eins bei rechten Übergriffen. Die Situation könnte sich noch verschlimmern, wenn braune Kameraden zum Einkaufen herkämen und im linksalternativen Kiez Ärger suchten.

Auch Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) nahm an der Kundgebung teil. Gleich am Wochenanfang werde er das Gespräch mit dem Hauseigentümer suchen, kündigte er an. »Nach den Protesten in Mitte, hätte der Vermieter wissen können, auf was er sich hier einlässt.« Für Schulz ist die Ladeneröffnung der Versuch der rechten Szene, »ein Stück Infrastruktur« im linken Kiez einzurichten. »Die Normalisierungsstrategie, die ›Thor Steinar‹ fährt, darf man nicht tolerieren und muss sie mit langem Atem begleiten«, betonte Sabine Kritter von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR).

Grünen-Urgestein Hans-Christian Ströbele forderte die Anwohner zum Handeln auf. Nur gemeinsam gelänge es, den Laden wieder zu schließen. Als die Polizei die Protestierenden von den Straßenbahnschienen verweisen wollte, spitzte sich die Situation kurz zu. Die Aufregung währte jedoch nicht lange: Ein BVG-Angestellter erklärte, die M 10 sei umgeleitet, die Kundgebung könne bleiben, wo sie ist. Nach zwei Stunden war die Veranstaltung beendet. Es gab mindestens eine Festnahme, vermutlich wegen Beamtenbeleidigung. Am morgigen Dienstag lädt die Initiative gegen Rechts um 19 Uhr in den Mieterladen, Kreutziger Straße 23, zum offenen Treffen, um das weitere Vorgehen zu planen. Eine Demonstration und Flugblätter für die Anwohner soll es geben, so Canan Bayram. Darin jedoch, dass es nicht bei Mahnwachen bleiben kann, war man sich am Samstag unter allen Protestierenden ebenfalls einig.

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