Wir müssen unsere Regierung effizienter machen!« Diese Leitlinie gab Raúl Castro schon bei seinem offiziellen Amtsantritt am 24. Februar 2008 aus. Ein Jahr danach versucht er offensichtlich, durch eine umfassende Kabinettsumbildung und eine Veränderung der Ressortzuschnitte die Grundlagen für eine Effizienzrevolution zu schaffen. Dass er dabei Leute seines Vertrauens in einflussreiche Positionen hievt, versteht sich von selbst. Es ist sicher eine Abkehr von Fidel Castros Personalpolitik, es als grundlegenden Politikwandel zu verstehen, wäre indes gewagt.
Denn im Zentrum der Maßnahmen stehen Schlüsselstellen in der Wirtschaft, die effektiver zu machen sicher auch Fidel ein Anliegen ist.
Raúl Castro gilt als Pragmatiker und er weiß um die objektiven Probleme. Die drei schweren Hurrikans 2008 haben mitsamt der Nahrungs- und Ölpreishausse aus der ersten Hälfte desselben Jahres die extrem importabhängige Wirtschaft kräftig durchgeschüttelt. Kuba steht ähnlich wie zu Beginn der 90er Jahre erneut unter starkem Reformdruck, wenngleich dank Venezuela und China mit Partnern.
An Kubas Grunddilemma ändert die Regierungsumbildung nichts: Um den Mangel zu bekämpfen, müssen wirtschaftliche Freiheiten und Anreize ausgebaut werden, die jedoch die hohe Egalität der Gesellschaft untergraben – ein Fundament der Revolution. Das weiß Raúl Castro und mit seiner neuen Aufstellung will er diese Gratwanderung meistern.
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
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