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Von Daniel Kestenholz 05.03.2009 / Wirtschaft

Mit Allah gegen die Finanzkrise

Jakarta-Forum: Westliche Banken sollen von islamischen lernen

Prinzen, Scheichs, Staats- und Regierungschefs aus islamischen Ländern haben »effektive Regeln« für die Finanzmärkte gefordert, um die Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise abzumildern. Vorbild sei das islamische Finanzwesen.

Während die westlichen Finanzmärkte immer noch keinen Boden finden, ist Kapitalruin im sogenannten islamischen Finanzsektor derzeit kaum ein Thema. Beim 5. Islamischen Weltwirtschaftsforum mit rund 1500 Teilnehmern aus 38 Ländern im indonesischen Jakarta wurde am Mittwoch gefordert, das »Islamic Banking« zu einer Alternative zum westlichen Finanzsystem auszubauen. Denn dieses sei, wenn richtig angewandt, praktisch »ohne Risiko«, wie zu hören war.

Es sei höchste Zeit, dass islamische Banken Missionarsarbeit im Westen leisten, sagte Indonesiens Präsident Susilo Bamnang Yudhoyono. Schließlich seien sie von der globalen Finanzkrise weitgehend verschont worden, weil sie nicht in »vergiftete Kapitalanlagen« investiert hätten. Denn Gier, die Achillesferse des westlichen Kapitalsystems, werde durch Abwesenheit von hohen Profitmargen praktisch unmöglich gemacht.

Im nach den religiösen Vorschriften der Scharia ausgerichteten islamischen Finanzwesen sind spekulative Praktiken ohne zugrundeliegende Sicherheiten verboten. Transaktionen müssen auf real existierenden Posten beruhen, so dass risikoreiche, hochkomplexe Geschäfte etwa mit Derivaten nicht möglich sind. Zinszahlungen und das Eintreiben von Zinsen sind verboten, weil sie als Form von Glücksspiel gelten. Allerdings ermöglichen Umgehungsgeschäfte das Erzielen von Gewinnen. Die Geldhäuser sind stärker in die lokale Gemeinschaft eingebunden.

In Indonesien selbst, dem bevölkerungsstärksten muslimischen Land der Welt, macht das Islamische Bankenwesen verstärkt Schule. Setzten solche Institute 2003 noch umgerechnet 458 Millionen US-Dollar um, war es im vergangenen Jahr nahezu das Achtfache. Allerdings entspricht die Summe immer noch lediglich drei Prozent der indonesischen Bankenfinanzierungen. Global soll die Scharia-Finanzindustrie rund eine Billion Dollar wert sein.

Der indonesische Präsident Yudhoyono meinte weiter, westliche Banken seien an einem Punkt angelangt, wo sie von ihren islamischen Gegenübern lernen könnten und lernen müssten. Was er möglicherweise nicht weiß: Die globalen Bankriesen sind längst im lukrativen islamischen Finanzgeschäft aktiv. Zu den Vorreitern gehören übrigens der taumelnde US-Riese Citigroup und – die Deutsche Bank.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

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