Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Schnellsuche

Erweiterte Suche

Von Tobias Riegel 06.03.2009 / Berlin / Brandenburg

Des Menschen Wolf

»Rechtsmediziner decken auf« im Medizinhistorischen Museum der Charité

Womit man nicht alles einen Mord begehen kann ND-
Womit man nicht alles einen Mord begehen kann!

Es sind eher unscheinbare Gegenstände, die in der Vitrine ausgestellt sind. Ein wuchtiger Aschenbecher aus Glas, ein Schraubstock oder ein Gartenrechen, ein elektrisches Küchenmesser oder ein Bierhumpen. Zu makabren Einblicken in die menschliche Seele wandeln sich diese Alltagsutensilien allerdings bei Betrachtung der restlichen Exponate: Messer in allen erdenklichen Variationen, ein Strick, Äxte oder ein Samuraischwert – allesamt noch blutbefleckt – machen diese Sammlung komplett, die nichts anderes als eine Kollektion von tatsächlich benutzten Mordwaffen ist. Zu sehen ist sie in der Ausstellung »Rechtsmediziner decken auf«, die gestern im Medizinhistorischen Museum der Charité eröffnet wurde.

Auf 400 Quadratmetern, unterteilt in zwei Räume, breitet die Schau mit über 300 Exponaten ein Panoptikum rund um das Thema »Tötungsdelikt« aus. Dabei rückt die Ausstellung taktvoll und ohne reißerisch zu sein das medial verzerrte Bild der fälschlicherweise »Ermittler in Weiß« genannten Mediziner ins rechte Neonlicht.

»Fast jeden Tag wird im Fernsehen eine Serie über Rechtsmediziner gezeigt«, amüsiert sich Michael Tsokos, Direktor des Berliner Instituts für Rechtsmedizin, über den regelrechten Hype um seine Berufsgruppe. Doch das Bild, das erfolgreiche TV-Machwerke von »Post Mortem« über »Rechtsmediziner decken auf« bis zu amerikanischen Formaten wie »CIS« vermitteln, habe so gut wie nichts mit der Realität zu tun – obwohl die Produzenten meist fundiert beraten würden, so Tsokos. »Wir sind keine Polizeibeamten, wir klingeln nicht bei Angehörigen und wir verhaften keine Verdächtigen. Und unsere Laptops zaubern auch nicht nach 45 Minuten die Lösung hervor.« Tatsächlich ist nämlich, außer bei der DNA-Analyse, der Computer nicht das Hauptinstrument der Mediziner.

Plastisch wird das im ersten Raum der Schau vor Augen geführt, in dem aus realen Fällen der fiktive Mord an Anna M. rekonstruiert wird. In der einen Ecke des nachgebildeten Wohnzimmers liegt noch die zugedeckte (wächserne) Leiche der mit einem Kronleuchter erschlagenen Rentnerin, das Leichentuch rot verfärbt. Und man muss Thomas Schnalke vom Medizinhistorischen Museum beipflichten, wenn er sagt, »das hier ist nicht TV. Dieser Raum nimmt einen gefangen«. Von der Feststellung der Todeszeit und -art noch am Tatort, der anschließenden Arbeit im Labor mit Obduktion und Analyse bis hin zur Aussage als Sachverständige vor Gericht werden die Aufgaben der Rechtsmediziner mit Fotos, Texten und teils Original-Exponaten verdeutlicht. Sie, die in Berlin pro Jahr über 2000 Leichen obduzieren, beschäftigen sich übrigens – etwa bei Verdacht auf Kindesmissbrauch – auch mit lebenden Menschen.

Nichts für schwache Mägen und Nerven ist der zweite Raum – auch wenn Schnalke glaubhaft beteuert, dass »Schockeffekte in dieser Ausstellung möglichst vermieden werden sollten«. Hier werden – etwa in den Kapiteln »Erhängen«, »Schuss« oder »Scharfe Gewalt« – anhand von teils sehr deutlichen Fotos die häufigsten nicht natürlichen Todesursachen vorgestellt. Der Wolf ist des Menschen Wolf – der Beweis für die Redensart wird hier geführt.

6.3. bis 13.9. Di.-So. 10-17 Uhr, Mi.+Sa. 10-19 Uhr, Medizinhistorisches Museum der Charité

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Präsidentenwahlen in den USA

Am 3. Januar 2012 beginnen die US-Republikaner die Vorwahlen. In einem fünfmonatigen Wahlmarathon suchen sie einen Präsidentschaftskandidaten und Herausforderer von Präsident Barack Obama. Die Präsidentschaftswahlen finden am 6. November 2012 statt.

Alle Dossiers

Facebook
Twitter
Sie sind gefragt

Velothon 2012

nd stellt eine Mannschaft zusammen
nd-Newsletter

Täglich gut informiert.

Jetzt hier kostenlos abonnieren!
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.