Der Countdown läuft bis zum 15. April 2009. An diesem Tag soll eigentlich die Aussaat von Gentech-Mais des multinationalen Konzerns Monsanto beginnen. Bei der Sorte mit der Bezeichnung MON810 handelt es sich um die einzige in Deutschland zum kommerziellen Anbau zugelassene Gentechnik-Pflanze. Ein Bündnis aus Umwelt-, Biolandbau- und Imkerverbänden will diese Aussaat mit einem Internetappell an das Bundeslandwirtschaftsministerium verhindern. Bis zum Freitagnachmittag hatten schon über 1400 Menschen den Appell unterstützt. Die Zahl wächst stündlich.
Die Gentechnikgegner verweisen auf die jüngsten Entscheidungen des EU-Ministerrats, der am 2. März das Anbauverbot für MON810 in Österreich und Ungarn für zulässig erklärt hatte. Der Beschluss ist auch von den Vertretern Deutschlands mitgetragen worden. Deshalb könne sich die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nicht hinter der EU verstecken, argumentieren die Kritiker. Sie habe es in der Hand, die Aussaat auch in Deutschland zu verbieten. Doch will sie das auch?
Von ihr sind in ihrer kurzen Amtszeit völlig entgegengesetzte Signale in dieser Frage ausgegangen. So schrieb das Wochenmagazin »Focus« unmittelbar nach ihrer Amtsübernahme im Oktober 2008, dass Aigner zu den Befürwortern des Pro-Gentechnikkurses ihres Vorgängers Seehofer gehört. Im Februar 2009 aber meldete die Tagesschau, dass Aigner ein Verbot von Gentech-Mais prüfe. Zu ihrer Neupositionierung dürfte wesentlich beigetragen haben, dass ein Großteil der Bundesbürger, auch der Unionswähler, Gegner oder zumindest Kritiker des Anbaus von Gentech-Pflanzen sind. Im bald beginnenden Wahlkampf dürfte die Union kein Interesse daran haben, wegen solcher Fragen Stimmen zu verlieren. Schließlich gibt es anders als bei der AKW-Nutzung in Deutschland keine besonders starke Lobby für die Genpflanzen. Deshalb könnte der Internetappell bei entsprechender Resonanz durchaus Erfolg haben.
sn3/signer
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
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