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Von Peter Nowak 10.03.2009 / Nord-Süd

Immer auf das Leben gesetzt

Die Tupamara-Protagonistin Yessie Macchi ist gestorben

Die uruguayische Stadtguerilla Tupamaros hat linke Geschichte geschrieben und ist inzwischen als Bewegung für Volksbeteiligung eine wichtige Fraktion im Regierungsbündnis Frente Amplio. Eine der Tupamaros-Protagonistinnen, Yessie Macchi, starb kürzlich an Herzversagen.
Yessie Macchi 1992 beim Besuch in den besetzten Häusern von
Yessie Macchi 1992 beim Besuch in den besetzten Häusern von Hamburgs Hafenstraße

»Und plötzlich sahen wir den Himmel«, hieß ein bemerkenswerter Film aus dem Jahre 1996. Eine Gruppe von Frauen interviewt soziale Aktivistinnen und ehemalige Gefangene aus Uruguay und Deutschland. Auf deutscher Seite waren es unter anderem die ehemalige RAF-Aktivistin Monika Berberich und aus Uruguay Graciela Jorge und Yessie Macchi.

Macchi hatte nicht nur an der Entstehung dieses Films einen großen Anteil. Sie war auch an der Realisierung eines Buchprojekts mit dem Titel »Aber wir haben immer auf das Leben gesetzt« beteiligt. In dem 1998 erschienenen Buch sprachen ehemalige politische Aktivistinnen aus Uruguay über ihre politischen Träume und auch darüber, wie sie die massive Repression überlebten, denen sie in den Knästen von Uruguay ausgesetzt waren.

Das war ein zentrales Thema von Macchi, die am 3. Februar 2009 im Alter von 62 Jahren in Montevideo an Herzversagen gestorben ist. Ihr Tod wurde erst Anfang März durch den in Berlin und Hamburg ansässigen Verlag Assoziation A bekannt, in dem das inzwischen vergriffene Buch veröffentlicht wurde.

Macchi hatte sich 1966 als junge Frau der MLN-Tupamaros angeschlossen. Inspiriert von der kubanischen Revolution und dem Kampf Che Guevaras bereiteten sich damals in ganz Lateinamerika junge Linke auf den Guerillakampf vor. Zunächst bekamen die Tupamaros viel Zustimmung aus der Bevölkerung. Doch der Rückschlag begann lange vor dem offenen Militärputsch, der in Uruguay am 27. Juni 1973 stattfand. Zu diesem Zeitpunkt musste Macchi schon mehrere Wochen in winzigen Verliesen vegetieren. »Keine Woche verging ohne zwei bis vier Folterverhöre«, erklärte sie später. Sie gehörte zu der Gruppe von neun Frauen der Stadtguerilla, die von dem Regime offen zu Staatsgeiseln erklärt worden waren. Bei jeder Aktion der Tupamaros im Untergrund wurde mit der Erschießung der Gefangenen gedroht.

Viele überlebten die Tortur nicht. Andere waren körperlich und seelisch gebrochen, als sie am 14. März 1985 das Gefängnis verlassen konnten. Auch Macchi kam an diesem Tag frei. Im ganzen Land wurden die Freigelassenen wie Helden empfangen. Doch die Schwierigkeiten begannen nachher. Macchi sprach vom »Trauma der Freiheit«, der schweren Wiedereingliederung in das Alltagsleben. »Freiheit heißt nicht, dass sie dir die Türen vom Knast aufmachen. Die Freiheit zu erlangen dauert viel länger«, schrieb sie. Deshalb hat sie dafür gekämpft, dass sich die nun legal als Bewegung für Volksbeteiligung MPP agierenden Tupamaros Mitte der 90er Jahre für die Freilassung der über 20 Jahre inhaftierten RAF-Gefangenen Irmgard Möller einsetzten. Möller besuchte anschließend Macchi in Uruguay. Sie blieb der Partei, die mittlerweile die stärkste Fraktion der in Uruguay regierenden Linksregierung stellt, bis zum Schluss in kritischer Solidarität verbunden, sparte aber nicht mit Warnungen vor Anpassungstendenzen. Kritik auch gegenüber Freunden war für Macchi selbstverständlich. Als ihr Ende der 90er Jahre an der Universität Havanna ein Forschungsprojekt angeboten wurde, wollte Macchi die Motive der als Prostituierten arbeitenden kubanischen Frauen zum Thema machen. Das Projekt kam wegen Bedenken der kubanischen Kulturbürokratie nicht zustande.

Yessie Macchi: Es ist schwer, gegen Mythen zu kämpfen – zum Download unter www.assoziation-a.de/leseprobe/Yessie%20Macchi.rtf

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