Die Zeit für einen neuen Klimavertrag ist überreif und entsprechend eindringlich ist der Ton der Wissenschaftler: Wenn nicht drastische Schritte zur Eindämmung des Klimawandels unternommen werden, wird der Meeresspiegel um einen Meter und mehr ansteigen, hieß es von verschiedenen Seiten auf der Kopenhagener Konferenz. Grund zur Sorge geben vor allem die Gletscher auf Grönland, wo sich in den letzten Jahren der Eisverlust erheblich beschleunigt hat. Einige der Ausläufer, in denen das Eis zum Meer kriecht, haben in den vergangenen Jahren ihre Geschwindigkeit verdoppelt.
Konrad Steffen von der University of Colorado in Boulder (USA) berichtet, dass seit 1991 die Jahresdurchschnittstemperatur auf dem Eis um vier Grad zugenommen hat. Entsprechend hat sich die Fläche, auf der das Eis im Sommer taut, drastisch vergrößert und nimmt weiter zu. Schlechte Nachrichten gibt es auch vom anderen Ende der Welt: Die Gletscher in der Westantarktis seien weniger stabil als bisher gedacht, so Jonathan Bamber von der University of Bristol (Großbritannien). Erst 2008 hatte eine Datenanalyse gezeigt, dass auch in diesem Weltwinkel die Temperaturen in den letzten Jahrzehnten gestiegen sind. Global müsse man mit einer Erwärmung um bis zu fünf Grad rechnen, so der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber.
Ein anderes Problem, das mit dem Klimawandel einhergeht, sind die sich ausbreitenden Dürren. Ziemlich sicher wird sich die Trockenheit im Süden und im Mittleren Westen der USA verstärken – erste Anzeichen gibt es bereits. Allerdings lässt sich nicht genau feststellen, ob die verstärkten Dürreperioden in den letzten Jahren Ergebnis natürlicher Klimaschwankungen oder Auswirkungen der globalen Erwärmung sind.
Studien haben gezeigt, dass die ärmsten Länder und die ärmsten Bevölkerungsschichten am meisten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben werden. Entsprechend nahmen Fragen der globalen und gesellschaftlichen Gerechtigkeit sowie der Lastenverteilung einen großen Raum ein. Denn der überwiegende Teil der Emissionen, die sich in der Atmosphäre angereichert haben, stammt aus den Industrieländern. Das Treibhausgasniveau, das bereits für Klimaveränderungen sorgt, ist das Ergebnis der Kapitalakkumulation und technischen Entwicklung in diesen Staaten, und es wäre folgerichtig, wenn ein Teil dieses Kapitals eingesetzt würde, um Schlimmeres zu verhüten beziehungsweise auszugleichen.
Terry Barker von der University of Cambridge (USA) versteht die zugespitzte Situation aber auch als Chance: Angesichts ökonomischer Überkapazitäten und Arbeitslosigkeit hätten sogar strenge Klimaschutzmaßnahmen großen volkswirtschaftlichen Nutzen. Man solle die Krise als Anreiz für notwendigen Wandel sehen. Die Gruppe der 20 größten Staaten (G20) forderte er auf, gemeinsam ein entsprechendes Programm vorzulegen. Zum Abschluss der Konferenz kündigten die Wissenschaftler an, bis Juni ein Papier über den aktuellen Stand zu erarbeiten – als Entscheidungsgrundlage für die Politiker auf der UN-Klimakonferenz.
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