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Von Marina Mai 16.03.2009 / Berlin / Brandenburg

Hier leben die jüngsten Mütter

Alice-Salomon-Fachhochschule eröffnete an der Hellersdorfer Promenade das »Bunte Haus«

Kreatives Gestalten im Bild-Klex-Raum, geöffnet dienstags 1
Kreatives Gestalten im Bild-Klex-Raum, geöffnet dienstags 10 bis 18 Uhr, donnerstags 10 bis 13 Uhr

Tommy liebt Luftballons. Der Rückzugsraum im »Bunten Haus« an der Hellersdorfer Promenade 14 ist voller Luftballons. Und der zweijährige Tommy stößt sie mit seinen Füßen und Armen in die Luft. Sein Opa schaut dem glücklichen Jungen dabei zu. In den benachbarten Räumen basteln, malen und klettern Kinder. Am Sonnabend öffnete der Familientreff »Buntes Haus« in Hellersdorf-Nord.

Über 70 Prozent der Kinder unter 15 Jahren hier in der Gegend leben von Transferleistungen, sagt Hausherr Martin Kleinfelder. In Marzahn-Hellersdorf haben zwei Drittel der Neugeborenen eine allein erziehende Mutter. Das ist mehr als überall sonst in Berlin. Nirgendwo sind die Mütter bei der Geburt des Kindes so jung wie in diesem Bezirk: Acht Prozent der Mütter sind bei der Geburt jünger als 20 Jahre, 2,1 Prozent noch nicht volljährig. Im Norden von Hellersdorf konzentrieren sich die Probleme: Jede sechste 18-Jährige hier sei bereits Mutter, sagt Heike Meves von der Alice-Salomon-Fachhochschule. Die Fachhochschule hat das »Bunte Haus« mit aufgebaut. »Ich kenne 23-Jährige, die bereits drei Kinder haben.«

Die jungen Mütter gehören oft zur ersten Generation in Ostdeutschland, die bei dauerarbeitslosen Eltern in sozial schwierigen Verhältnissen aufgewachsen sind. Viele haben keinen Schulabschluss und keine Ausbildung. In einem frühen Kind sehen sie einen Ausweg aus ihrer Misere, einen Weg ins normale Leben. »Und dann sind sie mit der Erziehung überfordert, suchen aber kaum Hilfe, weil sie Angst haben vor Stigmatisierung«, sagt die Pädagogin. »Die Probleme der Kinder werden oft erst sichtbar, wenn sie zur Schule kommen, und dann ist es sehr spät.«

Die Idee zum »Bunten Haus« entstand in einem Seminar der Salomon-Fachhochschule. »Warum sollen wir mit der Sozialarbeit warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, haben die Studenten gefragt.« Die Alternative war: Die Familien stärken. Studenten haben in den letzten Wochen auch in Hellersdorf junge Eltern mit Kinderwagen oder mit Kleinkindern an der Hand gezielt angesprochen und sie über das neue Angebot informiert. Mit Erfolg: Am Eröffnungstag tollen, malen und basteln überall Kinder.

Junge Mütter, Väter und Großeltern, denen für Ausflüge in die Umgebung oft das Geld und auch der Antrieb fehlen, sollen hier Freizeitangebote und dabei qualifizierte Pädagogen als Ansprechpartner finden. Die richten sich ausdrücklich nicht nur an Kinder, sondern auch an Eltern. Die können etwa im Elterncafé mit Müttern in ähnlichen sozialen Situationen oder mit Sozialpädagogen ins Gespräch kommen. Da fanden die Studenten Verbündete in Jugendstadträtin Manuela Schmidt (Linkspartei), im Verein »Roter Baum« und im Quartiersmanagement an der Hellersdorfer Promenade.

Heike Meves zeigt ein Bild, das eine 25-jährige Mutter von drei Kindern malte. Es erinnert an impressionistische Bilder. »Die Frau hat seit ihrer Schulzeit nicht mehr gezeichnet und hatte am Anfang große Scheu. Sie sagte, sie sei doch keine Künstlerin«, erzählt Meves. Beim Malen hätte die Mutter sich gegenüber der Kunsttherapeutin im »Bunten Haus« geöffnet und Erziehungsprobleme angesprochen, die sie sonst für sich behalten hätte.

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