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Foto: privat
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ND: Was bringt einen jungen Landwirt aus Baden-Württemberg nach Mexiko?
Rieger: Im Sommer 2008 hatte das Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe Besuch von mexikanischen BauernvertreterInnen, die sich gegen den Anbau von Genmais engagieren. Beim Gegenbesuch wollen wir uns austauschen beispielsweise über Saatgutrecht, die Bedrohung einheimischer Sorten durch gentechnisch veränderte Züchtungen sowie den Einfluss der internationalen Konzerne dabei. Dabei ist im Fall Mexikos der Mais besonders wichtig, denn es handelt sich um das Ursprungsland der Pflanze.
In Deutschland gibt es eine heiße Diskussion um den gentechnisch veränderten Mais Mon810 von Monsanto. Wie ist das in Mexiko?
In Mexiko ist Genmais für den Konsum durch Menschen und Tiere offiziell verboten. Doch gerade erst hat die mexikanische Regierung mit der Erlaubnis für die experimentelle Nutzung von Genmais ein Einfallstor geöffnet. Nicht umsonst nennen viele kritische Organisationen das reformierte mexikanische Gesetz über Biosicherheit das »Monsanto-Gesetz«. Außerdem gibt es bereits seit Jahren eine illegale Verbreitung durch den Import von gentechnisch verändertem Mais aus den USA. Mexikanische Bauern haben die Maiskörner zum Teil zur Aussaat benutzt, ohne zu wissen, was sie da in den Boden setzen. In verschiedenen Regionen des Landes ist inzwischen Genmais nachgewiesen worden. Die mexikanischen Bauern und Gruppierungen, die sich im »Netzwerk zur Verteidigung des Mais« zusammengeschlossen haben, werfen ihrer Regierung vor, die mittelfristigen Gefahren herunterzuspielen und bewusst die Augen vor der illegalen Verbreitung des Genmais zu verschließen.
Monsanto und andere Zuchtunternehmen führen höhere Erträge und bessere Widerstandsfähigkeit ihrer Pflanzen an.
Daran sind zumindest Zweifel erlaubt. Und: Den Konzernen geht es um Gewinn und Kontrolle des Marktes, nichts anderes. Sie wollen die ganze Handelskette vom Saatgut bis hin zum abgepackten Lebensmittel kontrollieren. In Deutschland wird unter anderem über Patentierungen versucht, auch auf den Nachbau von gekauftem Saatgut Lizenzgebühren zu erheben. Bei den Mexikanern stieß ich mit dieser Information auf ungläubiges Interesse, als ich dies auf einem Forum und während meiner einwöchigen Reise vortrug. Das ist in Mexiko zumindest beim Mais noch undenkbar. Besonders die Millionen Kleinbauern – im Gegensatz zu Deutschland dort noch nicht »ausgestorben« – arbeiten mit eigenem Saatgut und tauschen es untereinander. Viele mexikanische Bauern haben Angst, dass die Vielfalt der über tausend einheimischen Maisvarianten verloren geht, wenn das Saatgut in Mexiko unter die Kontrolle weniger Anbieter von ausgewählten Züchtungen geht – sei es Genmais oder seien es Hybridsorten.
Wird das Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe den Kontakt nach Mexiko halten?
Wir haben einen ständigen Informationsaustausch mit einer kleinbäuerlichen Organisation im Hochland des Bundesstaates Oaxaca vereinbart. Dort wurde bereits vor acht Jahren Genmais entdeckt, der den Vermutungen nach aus Saatgut stammte, das eine staatliche mexikanische Behörde in den USA einkaufte und über ihr Verteilernetz verbreitete. Die Bauern dort versuchen dagegen, die Milpa, den Maisanbau traditioneller Sorten im Verbund mit anderen Feldfrüchten, zu verteidigen und außerdem auf chemische Dünger- und Schädlingsbekämpfungsmittel zu verzichten. Seit Jahren sind sie im Netzwerk zur Verteidigung des Mais aktiv.
Fragen: Gerold Schmidt
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
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