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Von René Heilig 18.03.2009 / Inland

Der Fall der SAS 104 »Beluga«

Vor zehn Jahren ertranken drei Fischer in der Ostsee – der Grund wird noch immer verschwiegen

Seit Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 kamen – wie es heißt – in Ausübung ihres Dienstes 2990 Soldaten ums Leben. Wie viele Zivilisten in Ausübung ihres Dienstes von Bundeswehrsoldaten getötet wurden, ist nicht erfasst. Vor zehn Jahren kamen drei Fischer ums Leben. Ihr Tod ist – entgegen offizieller Behauptungen – ebenso ungeklärt wie der mögliche Anteil, den die Deutsche Marine daran gehabt hat.

Am 17. März 1999 läuft der Fischkutter SAS 104 »Beluga« gegen 23.30 Uhr aus dem Sassnitzer Hafen aus. Kurs Bornholm. An Bord sind Frank Schneider (38), der Kapitän, Hartmut Gleixner (40), der Maschinist und »Azubi« Martin Senfft (19). Die See ist ruhig. Die »Beluga« und ihre Mannschaft kommen nie an in dem dänischen Hafen. Auf halber Strecke, man nennt das Gebiet »Adlergrund«, wird das Schiff von einem Seeüberwachungsflugzeug der Bundesmarine entdeckt – auf dem Heck stehend, 20 Meter unter der Meeresoberfläche. Innerhalb von nur 60 Sekunden, so errechnen Fachleute später, muss das Schiff gesunken sein. Die Leichen der drei Männer werden erst mehrere Wochen später gefunden. Sie hatten keine Chance, die Katastrophe muss plötzlich über sie gekommen sein.

Nachdem das Fischerboot zwei Wochen später gehoben wird, findet man nur geringe, aber seltsame Schäden. Es scheint so, als wäre der Kahn in eine Stahltrosse gefahren und von der unter Wasser gezogen worden. Allzu schnell geht die Staatsanwaltschaft von einem Eigenverschulden des Kapitäns aus. Schneider hätte Altwasser an Bord gehabt und vergessen, eine Öffnung in der Bordwand zu schließen. Seekammern, eigentlich dazu da, fachlich versierte Urteile abzugeben, kamen auch verdächtig rasch zu dem zynischen Ergebnis, dass die Toten selbst an ihrem Schicksal schuld sind. Die, die den Unfallhergang von offizieller Seite untersuchen sollten, ignorierten hartnäckig Fakten. Polizeitaucher, die das Schiff unter Wasser begutachtet hatten, erinnerten sich plötzlich seltsam schwammig. Stattdessen übernahmen Kollegen, Seefahrtexperten, Medien – vor allem das Rostocker NDR-Studio – und auch das ND die Ermittlungen. Als sie einen Zusammenhang herstellten zwischen dem Untergang der »Beluga« und dem NATO-Manöver »Jaguar«, das in jenen Tagen in der Ostsee abgehalten wurde, behinderte man ihre Recherche auf in jede nur denkbare Weise. So entwarfen Bundeswehr-Offizielle Seekarten, auf denen Schiffspositionen vermerkt wurden, die nie und nimmer stimmen konnten. Zeugenaussagen, nach denen das Manöver auch über den angegebenen Zeitrahmen hinaus angedauert hat, wurden ausgeblendet. Angeblich, so sagte die NATO, die in dem Ostseegebiet noch aus Kalten-Kriegs-Tagen ein Überwachungssystem betrieb, habe man alle Radar-Aufzeichnungen aus jenen Tagen umgehend gelöscht.

Am vergangenen Wochenende haben sich Angehörige, Kollegen und Freunde der drei Fischer wieder einmal getroffen, um der Toten zu gedenken. Noch immer hoffen sie darauf, dass zumindest einer, der die Fakten kennt, so viel Mut und Anstand besitzt, um zu berichten, was wirklich geschah in der Nacht zum 18. März 1999.

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