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Birgit Schaller, Erik Lehmann und Rainer Bursche (v.l.)
Foto: H L Boehme
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Es gibt Kabarettabende, bei denen der Programmname schon das Beste ist, was über die Zuschauer kommt. Da wird es – morgen um 22.45 Uhr in der ARD – wieder mal politisches Kabarett im Fernsehen geben, welches in den Programmzeitschriften noch als »Scheibenwischer« angekündigt wurde, das nun »Satire-Gipfel« heißen wird. Weil »Scheibenwischer«-Erfinder Dieter Hildebrandt nicht möchte, dass der »geniale Parodist« Mathias Richling Kabarett mit Comedy (Ingolf Lück wird Gast der Sendung sein) vermischt.
In Dresden wird mittlerweile einfach politisches Kabarett gemacht. Die jüngste Premiere der »Herkuleskeule« zeigt, wie es gemacht werden kann. Schon lange vor der allgegenwärtigen »Finanzkrise« konzipiert, kommt es ganz unakademisch einher, was möglich ist, wenn alle Zutaten stimmen. Wolfgang Schaller, der Prinzipal der »Herkuleskeule«, hat gemeinsam mit seinem Sohn Philipp und seinem Freund Peter Ensikat, der die Berliner »Distel« nun endgültig verlassen hat, diesen »Budenzauber« auf die Bühne gebracht.
Vor einer Dresdener Industriebrache, zwischen Buswartehäuschen und Pförtnerloge, brillieren die drei Darsteller, spielen mit Text, Publikum und einem Baugerüst, bringen die kabarettträchtigen Unlösbarkeiten – Oben und Unten, Ost und West, Früher und Heute – auf den Punkt. Birgit Schaller, Putzfrau aus Leidenschaft, ist eine, die immer weg will, und der doch nur bleibt, dazubleiben. Wie sie spielt und auch immer wieder singt, ist große Kleinkunst. Rainer Bursche als Pförtner, der bewacht, was eigentlich schon längst wegggesprengt wurde, ist der sächsische Großmeister des Lakonismus. Und Erik Lehmann, der Neuzugang der Herkuleskeule, schlüpft von einer skurrilen Rolle in die andere, mal Sprengmeister, mal Coach für Coaches von Coachen von Hartz-IV-Empfängern, mal »Heuschrecke« mit einer Sammelbüchse für »notleidende Banken«, das Unwort des vergangenen Jahres. Der Mann kann und will bissig sein. Und ganz nebenbei reißt da einer die Grenze von Kabarett und Comedy ein.
Will man mal wieder zu den Ursprüngen, will man eine Mischung aus Kalauern (auch die müssen ab und an sein) und philosophischem Kabarett, dann sollte man sich auf die Reise nach Dresden begeben, es »verlohnt« sich!
Nächste Vorstellungen: 21., 22., und 31.3., Tel.: (0351) 4925555
Aktuelle Ausgabe: 22.05.2012
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