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Von Iris Menn 20.03.2009 / Europa
Brüsseler Spitzen

Schutz den Fischen

Dr. Iris Menn ist Meeresbiologin und arbeitet als Expertin bei G
Dr. Iris Menn ist Meeresbiologin und arbeitet als Expertin bei Greenpeace e.V.

Die Fakten lassen keinen Zweifel: Die Gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union ist gescheitert, und das in großem Stil. 80 Prozent der unter EU-Kontrolle gemanagten Bestände sind überfischt, 30 Prozent sogar über ihre biologischen Grenzen hinaus, das heißt ihre Nachkommenschaft ist nicht gesichert. Die Anlandungen sind im letzten Jahrzehnt dramatisch gesunken, und zwar in allen EU Gewässern – egal ob Nordsee oder Ostsee, Iberische See oder Schwarzes Meer. Parallel zu den sinkenden Anlandungen ist auch der Anteil der Fischerei an der Nahrungsversorgung der in der EU lebenden Menschen gesunken und die Anzahl der Arbeitsplätze geschrumpft. Und das ist nur ein Teil der erschreckenden Fakten.

Vor dem Hintergrund dieser eindeutigen Tatsachen sprach sogar Fischereikomissar Joe Borg (Malta) selber im September letzten Jahres von einem Scheitern und einem Teufelskreis aus kurzsichtigen Entscheidungen und verantwortungslosem Verhalten in der Industrie. Deutlichere Worte als sie die Bundesregierung in ihrer Bilanz zur Gemeinsamen Fischereipolitik auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag findet. Der Mangel an Willen zur strikten Umsetzung der gemeinsam getroffenen Vereinbarungen und vor allem das Fehlen von Konsequenz bei der Nutzung der bereits vorhandenen Instrumente sind Gründe des Scheiterns. Die jährliche Quotenfestsetzung ist für letzteres ein gutes Beispiel. Alljährlich kurz vor Weihnachten erleben wir seit mehr als einem Jahrzehnt ein Déjà-vu: Die Quoten werden überwiegend höher als die wissenschaftliche Empfehlung festgesetzt.

Kurzfristiger Profit dominiert die Entscheidungen. Kein Wunder daher der hohe Anteil überfischter Bestände in den EU-Gewässern. Noch immer zu hohe Überkapazitäten in der Fischereiflotte, unzureichende Kontrollen, zu geringe Strafen und zerstörische Fangmethoden komplementieren die Gründe des Scheiterns der Gemeinsamen Fischereipolitik. Auch Deutschland hat zu diesem Scheitern massiv beigetragen, ob durch stille Zustimmung bei der Quotenvergabe oder durch zu wenig offenes Engagement gegen die Fischereinationen und für den Meeresschutz. Das Ergebnis ist dasselbe.

Wenn es den Fischbeständen in Zukunft besser gehen soll, ist eine effektive Überarbeitung der Gemeinsamen Fischereipolitik mit konsequenten Maßnahmen nötig. Die sofortigen Maßnahmen müssen bei den Themen Überkapazitäten, Quotenfestsetzung, Beifang, illegale Fischerei und der Einrichtung von Schutzgebieten ansetzen. Das heißt ganz konkret zum Beispiel eine Halbierung der EU-Fangflotte, keine Quotenvergabe, die über den wissenschaftlichen Empfehlungen liegt, ein Investment der Mitgliedstaaten in die Kontrolle der Fischereiregelungen und nicht zuletzt die Einrichtung echter Schutzgebiete. Diese Schutzgebiete können ein wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Fischereimanagements sein. In diesen nutzungsfreien Gebieten können sich Fischbestände und das Ökosystem insgesamt erholen sowie Arten und Lebensräume erhalten bleiben. Diese Schutzräume werden gerade vor dem Hintergrund des Einflusses des Klimawandels auf die Meere und seiner Bewohner als ein notwendiger Puffer für die vom Menschen massiv bedrängten Meere immer bedeutsamer.

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