Von Gabi Kotlenko
23.03.2009
1. Bundesliga

Spitzenreiter Hertha von Wölfen gejagt

Endlich wieder Spannung an der Spitze: Fünf Klubs trennen ganze fünf Punkte. Der Kampf um die Meisterschaft ist offen wie selten. Die Bundesliga steuert auf einen der spannendsten Titelkämpfe seit langem zu. Und Hertha BSC muss nach der noch schmeichelhaften 0:2-Bruchlandung beim VfB Stuttgart nun erst einmal die Tatsache verarbeiten, wie schnell sich auch ein Vier-Punkte-Vorsprung in Luft auflösen kann. Immerhin aber dürfen die Berliner nun noch mindestens zwei Wochen Höhenluft genießen. Aber vorerst haben sie in den Stuttgartern ihren Meister gefunden. »Wir haben schlecht gespielt«, urteilte dann auch Josip Simunic selbstkritisch. Manager Dieter Hoeneß sah viel zu wenig Engagement. »Wir haben zu wenig getan, der letzte Funke hat gefehlt, der VfB hat verdient gewonnen.« Stuttgarts Teamchef Markus Babbel meinte: »Wir waren hungriger und wir haben außerdem zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht.« Er registrierte zufrieden, dass seine Mannschaft die 0:4-Pleite sechs Tage zuvor in Bremen schnell vergessen machen wollte. Hertha-Trainer Lucien Favre dagegen konnte seinen Frust über den herben Rückschlag nur mühsam unterdrücken. »Der VfB war klar besser. Es war ein Wunder, dass wir mit einem 0:0 in die Kabine gekommen sind.« Kurz nach dem Wechsel platzte die Hoffnung auf wenigstens einen Zähler innerhalb kürzester Zeit: Cacau und Sami Khedira besiegelten die Pleite des (Noch)-Tabellenführers.

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Noch überraschender als Herthas Tabellenführung ist der neue Verfolger. Der VfL Wolfsburg erkämpfte sich bei Arminia Bielefeld den siebten Sieg in Serie. Nicht nur die makellose Rückrundenbilanz, sondern auch das lösbare Restprogramm machen die »Wölfe« zu mehr als einem Geheimtipp. Dennoch stapelt Trainer Felix Magath tief und antwortet auf die Frage, ob er seinem Team den Titel zutraut, kurz und unmissverständlich: »Nein.« In zwei Wochen steigt in Wolfsburg das richtungsweisende Duell mit dem punkt- und torgleichen Tabellennachbarn aus München. Doch die Wolfsburger bleiben auf dem Boden. »Wenn es am letzten Spieltag noch möglich sein sollte, werden wir das Wort Meisterschaft in den Mund nehmen. Vorher ist es sinnlos«, sagte Mittelfeldspieler Zvjezdan Misimovic schmunzelnd.

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Bei Energie Cottbus dagegen wachsen die Sorgen. Nach der 0:2-Pleite gegen den 1. FC Köln steht Energie vor den wohl entscheidenden Duellen gegen die Abstiegskonkurrenten Frankfurt und Bielefeld. »Wir haben heute eines von zehn Endspielen verloren«, sagte Spielmacher Ervin Skela, der wie seine Teamkollegen gegen die Kölner Abwehr keine Mittel fand. Von den vier Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz will sich Trainer Bojan Prasnikar aber nicht entmutigen lassen. »Wir müssen weiter an uns glauben und auf mehr Glück hoffen.« Kevin McKenna, der wie Teamkollege Sergiu Radu früher für Energie gespielt hatte und bei seiner Rückkehr von den Zuschauern wenig freundschaftlich empfangen wurde, unterstrich: »Nach Cottbus kommt man nicht, um einen Schönheitspreis zu gewinnen. Das war ein sehr schweres Spiel.«