Von Reiner Oschmann
23.03.2009

Waffenbesitzer auf Hamsterkauf

Viele US-Bürger befürchten Beschränkungen

Die Erwartung, dass Präsident Barack Obama auch nur geringe Einschränkungen in Sachen Waffenbesitz vornehmen könnte, hat seit seiner Wahl am 4. November regelrechte Hamsterkäufe ausgelöst.

Unter den Schlagzeilen der USA-Wirtschaftskrise verborgen, baut sich ein erster Stimmungsumschwung auf, der auch Barack Obama persönlich trifft. Nach einer Umfrage des Rasmussen-Instituts erfreute sich der neue Präsident zuletzt einer Unterstützung von 56 Prozent der Wähler; 43 Prozent hatten kein Vertrauen in ihn, ein Drittel äußerte »starke Ablehnung« zu den Entscheidungen Obamas in dessen ersten acht Amtswochen. Viele Wähler sorgen sich um die Folgen der Krise im Land und um praktische Konsequenzen möglicher Kursänderungen im Weißen Haus. Eine betrifft den Nerv US-amerikanischen Selbstverständnisses, das Recht auf privaten Waffenbesitz.

Obama hatte im Wahlkampf vorigen Sommer ausdrücklich und sofort eine Bekräftigung dieses Verfassungsrechts durch den Obersten Gerichtshof begrüßt, alles andere hätte ihm politisch auch den Hals gebrochen. Zugleich aber betonte er seine Unterstützung für ein Verbot bzw. die Beschränkung von besonders gefährlichen Angriffswaffen. So äußerte er Sympathie für das unter Präsident Clinton 1994 erlassene, für zehn Jahre geltende Verbot bestimmter halbautomatischer Schusswaffen in Privathand. Von diesem Verbot sagen heute allerdings auch Demokraten, dass es 1994 entscheidend für den schweren Einbruch der Partei bei den Kongresswahlen war. In seinen Memoiren schrieb Clinton später, ein Politiker, der die USA mit strengeren Waffengesetzen sicherer machen wolle, müsse unweigerlich mit schweren Verlusten rechnen.

Das weiß auch Obama, sodass wirklich substanzielle Einschnitte auf diesem Gebiet durch seine Administration und die parlamentarische Mehrheit seiner Demokraten im Parlament als unwahrscheinlich gelten dürfen. Dennoch spielt das Thema privater Waffenbesitz jetzt wieder eine Rolle in dem Land, in dem circa 70 Millionen Haushalte (mit etwa 40 Millionen Kindern) eine oder mehrere Gewehre, Pistolen oder Revolver besitzen: Die Erwartung, dass die Regierung Obama auch nur bescheidene Einschränkungen gegenüber der heutigen Praxis vornehmen könnte, hat seit seiner Wahl am 4. November regelrechte Waffen-Hamsterkäufe ausgelöst. Wie man lesen kann, haben Hersteller von Feuerwaffen Mühe, die Kundennachfrage zu befriedigen, und viele Waffengeschäfte kaum oder keine Vorräte mehr.

Steve Sanetti, Präsident des Handelsverbands der Feuerwaffen- und Munitionsindustrie in den USA, erklärte: »Seit November hat der Verkauf von Feuerwaffen – insbesondere von Handfeuer- sowie von halbautomatischen Jagd- und anderen Schusswaffen – die Lagerbestände weit übertroffen. Amerikaner sind eindeutig verängstigt, ob sie in einer unsicheren Zukunft diese Artikel noch so frei wie heute werden erwerben können.« Die Waffenfirma Smith and Wesson gab für das dritte Quartal 2008 soeben eine Umkehr ihrer Verkaufsverluste aus demselben Vorjahreszeitraum zugunsten eines Gewinns von 2,4 Millionen Dollar bekannt. Ihr Pistolenabsatz habe sich im Vergleichszeitraum um 46 Prozent erhöht, der Verkauf von Gewehren und Maschinenpistolen mehr als verdreifacht. Sturm, Ruger & Co., ein anderer Waffenproduzent, meldete einen 81-prozentigen Umsatzzuwachs. Gleiche Tendenzen zeichnen sich seit Obamas Wahl auch beim Verkauf von Munition ab – auch, weil Steuermehrbelastungen für solche Artikel im Gespräch sind. Beobachter der Waffenindustrie erklären den Ansturm auf die Waffengeschäfte aber auch mit der Angst von Bürgern, die sich auf diese Weise besser gegen eine wachsende Kriminalität verteidigen wollen, die sie im Ergebnis der Wirtschaftskrise befürchten.

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