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Von Olaf Standke 24.03.2009 / Titel

Ärzte-Appell für eine atomwaffenfreie Welt

Mediziner aus 38 Ländern fordern von Russland und den USA radikale nukleare Abrüstung

Über 300 international renommierte Gesundheitsexperten aus 38 Ländern, darunter 50 deutsche Spitzenmediziner, haben den russischen Präsidenten Dmitri Medwedjew und seinen US-amerikanischen Amtskollegen Barack Obama in einem IPPNW-Appell aufgefordert, »das atomare Zeitalter endgültig zu beenden«.
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London wird am 1. April, am Vorabend des G 20 Gipfels, eine Premiere erleben: Erstmals treffen die neuen Präsidenten Russlands und der USA aufeinander. Dabei geht es vor allem auch um den Abbau der nationalen Kernwaffen-Arsenale sowie um die globale atomare Abrüstung und Schritte zur nuklearen Nichtweiterverbreitung. Beide Seiten verfügen mit geschätzten 14 000 (Russland) bzw. 9400 (USA) über 95 Prozent der weltweit gelagerten Atomwaffen. 2300 davon befinden sich auch zwei Jahrzehnte nach Ende des Ost-West-Konflikts weiter in höchster Alarmbereitschaft, montiert auf Raketen, die innerhalb kürzester Zeit startklar sind, um im Ernstfall 30 Minuten später Städte des jeweils anderen Landes in Schutt und Asche zu legen.

Deshalb haben sich jetzt mehr als 300 weltweit führende Ärztinnen und Ärzte mit einem besonderen medizinischen Appell an die Präsidenten Russlands und der USA gewandt und das Ende des atomaren Zeitalters gefordert. Der Brief, den u.a. Nobelpreisträger, Gesundheitsminister, Dekane und Leiter medizinischer Einrichtungen aus 38 Ländern unterzeichnet haben, wurde gestern in Moskau von einer russischen Delegation von »Ärzten gegen den Atomkrieg« (IPPNW) und in Washington von der dortigen Schwestersektion Physicians for Social Responsibility übergeben.

Der Arzt Dr. Ira Helfand aus den USA, Hauptinitiator des Appells, bezeichnet die vorhandenen Kernwaffen als gefährlichste Bedrohung für die Gesundheit und den Fortbestand der Menschheit. Doch diese Gefährdung könne im Gegensatz zu anderen großen Bedrohungen wie Klimawandel, Armut oder AIDS und weiteren endemischen Seuchen mit einem einfachen politischen Beschluss aus der Welt geschafft werden.

Moskau und Washington haben sich bereits darauf verständigt, bis Ende des Jahres ein Nachfolgeabkommen für den Vertrag zur Verringerung der Strategischen Nuklearwaffen (START) zu schließen. Eine erfolgreiche Vereinbarung könnte auch die Ratifizierung des Atomteststopp-Vertrags im USA-Senat erleichtern. Russland hat vorgeschlagen, im Rahmen von START neben nuklearen Sprengköpfen auch Interkontinentalraketen sowie schwere Bomber zu erfassen. Andererseits hat Präsident Medwedjew zuletzt mit Verweis auf die Erweiterungspläne der NATO eine in den USA unter Präsident Bush längst angeschobene Modernisierung der Atomwaffen ab 2011 angekündigt.

Beide Länder, so der IPPNW-Appell, sollten sich nun in einer Atomwaffenkonvention verpflichten, alle Nuklearsprengköpfe abzuschaffen und unmittelbar Verhandlungen mit den anderen Kernwaffenstaaten über einen solchen Vertrag aufnehmen. »Wir schreiben Ihnen in der großen Hoffnung, dass Sie die Gunst der Stunde, die durch Ihre Wahl entstanden ist, nutzen« heißt es in dem Brief an die Präsidenten Russlands und der USA.

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