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Von Jürgen Holz 25.03.2009 / Sport

Von der Volleyball-Erfolgsära bleibt kaum mehr als Nostalgie

Der VC Leipzig, einst als SC Leipzig DDR-Rekordmeister, meldet Insolvenz an

»Land unter für den Leipziger Volleyball«, lautet der lakonische Kommentar einer Volleyball-Ikone aus der Messestadt. »Ich kann mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen, wie eine wirkliche Rettung aussehen könnte.« Das sagt Eckehard Pietzsch, der in diesem Herbst 70 Jahre alt wird, der 226-facher DDR-Nationalspieler war, der 1970 in der DDR-Weltmeistermannschaft stand, 1972 in München Olympiasilber gewann und der neben seinem einstigen Mannschaftskameraden Siegfried Schneider Leipziger Volleyballgeschichte geschrieben hat.

Zwischen 1963 und 1976 war der Großverein SC Leipzig unter der Ägide des Erfolgstrainers Herbert Jenter 14 Mal DDR-Männermeister in Serie, zwölfmal waren Pietzsch und Schneider mit dabei. Sie gehörten auch zu jenem Team, das 1964 Europapokalsieger der Landesmeister wurde – ein Erfolg, den kein anderer DDR-Volleyballklub aufzuweisen hatte.

Das alles ist aber nicht nur längst Nostalgie. Schlimmer noch: Die Leipziger Volleyballszene steht vor dem Untergang. Der VC Leipzig stellte am Montag als GmbH Insolvenzantrag. Nun entscheidet der Insolvenzverwalter darüber, ob der Klub weiterbestehen kann oder ganz abgewickelt werden muss. Da 250 000 Euro Schulden drücken – trotz der im Herbst 2008 erfolgten Etatkürzung von 40 Prozent –, zudem 150 000 Euro für gegenwärtige Verbindlichkeiten fehlen, Spieler und Trainer schon seit Dezember kein Gehalt mehr bekommen haben, ist ein Fortbestehen eher unwahrscheinlich. Als möglicher Nachfolgeverein ist der von den Eltern für den Erhalt des Talentestützpunktes gegründete L.E. Volleys im Gespräch.

Der DDR-Rekordmeister (bis 1989 insgesamt 19 Titel) machte nach der Wende eine Berg- und Talfahrt ohnegleichen durch. Nach einer langen Durststrecke, in der der SC Leipzig im nationalen wie internationalen Volleyball überhaupt keine Rolle mehr spielte, gelang 1997 der Aufstieg in die 1. Bundesliga, verbunden mit neuen Hoffnungen. Im Jahr 2000 wurde schließlich aus dem SC Leipzig der eigenständige Volleyballverein VV Leipzig, der sich vor Beginn der Saison 2006/2007 mit dem benachbarten VC Markranstädt, wohin mittlerweile etliche SCL-Spieler abgewandert waren, vereinigte und fortan als VC Leipzig in der 1. Bundesliga spielte. Diese Ära endete voriges Wochenende mit dem letzten Heimspiel gegen Düren. Zwar gab es einen 3:2-Sieg, doch der Abstieg war längst besiegelt.

»Es soll hier aber mit dem Volleyball weitergehen«, verkündet der Präsident des VC Leipzig, Olaf Zimmer. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt, und die könnte für die Leipziger bedeuten: Der Nachfolgeverein L.E. Volleys erhält von der Deutschen Volleyball-Liga eine Ausnahmespielgenehmigung für die 2. Bundesliga. Wie allerdings die zweithöchste Spielklasse finanziert werden soll, ist unklar.

Auch Routinier Lutz Mühlisch klammert sich an einen Strohhalm. Der heute 40-Jährige wollte eigentlich seine Laufbahn nach der 17. Saison (!) in Leipzig beenden. »Falls es nun doch irgendwie in der zweiten Liga weitergehen sollte, könnte ich mir vorstellen, meinen Abschied noch ein Jahr hinauszuzögern, um sozusagen als Ersatzmann zur Verfügung zu stehen«, sagt er nach dem vierten Abstieg in seiner Karriere. »Es ist aber der erste aus wirtschaftlichen Gründen«, fügt er hinzu und fährt mit Galgenhumor fort: »Vielleicht ist ein Neuanfang gar nicht so schlecht. In all den Krisenzeiten ist es dem Klub jedesmal gelungen, direkt wieder aufzusteigen.«

Altmeister Eckehard Pietzsch sieht indes kaum einen Hoffnungsschimmer. »Es ist in erster Linie eine Frage des Geldes. Dieses Manko trifft in der einst gerühmten Leipziger Sportstadt ja nicht nur den Volleyball. Auch die Handballfrauen des HC Leipzig – früher als SC Leipzig auch international eine Macht – kämpfen ums Überleben. Und was sich hier im Fußball abspielt, ist hinlänglich bekannt. Alle rennen möglichen Sponsoren die Bude ein. Doch für die meisten sind die Erfolgsaussichten gleich null. Es ist traurig, diesen Untergang mitansehen zu müssen.«

Pietzsch bricht eine Lanze für den Nachwuchs: »Der VC Leipzig hat eine potente Nachwuchsabteilung, um die sich engagierte Ehrenamtliche kümmern. Ich kann nur hoffen, dass dieses Reservoir nicht den Bach runter geht.«

Doch: Welche Motivation sollen die jungen Spieler haben, wenn es hier vor Ort keine Spitzenmannschaft mehr gibt? Und wie motiviert sind Trainer und Übungsleiter, wenn sie talentierten Nachwuchs praktisch für andere deutsche Vereine ausbilden? Pietzsch verhehlt nicht: »Ich bin sehr skeptisch. Wie gesagt: Land unter.«

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