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Dirk Schäffer (41) ist Mitglied des Netzwerkes »J.E.S.«
Foto: privat
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ND: Am Kottbusser Tor in Kreuzberg ist ein aggressiver Konflikt zwischen Anwohnern und Drogenkonsumenten ausgebrochen. Wie stellt sich für die Mitglieder von »J.E.S.« die Situation dar?
Schäffer: Man muss tatsächlich konstatieren, dass die Situation für die Anwohnerschaft um den Kotti nicht prickelnd ist. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Drohung – wir wissen nicht, wie lange wir die Leute abhalten können, bis die auf Drogenkonsumenten losgehen – keine echte Stimmung bei der Anwohnerschaft ist. Mit solchen Äußerungen animiert man erst die Leute, darüber nachzudenken, so ein Mittel zu wählen
Wer, würden Sie denken, hat ein Interesse daran, diesen Konflikt zu verschärfen durch solche Äußerungen?
Letztendlich glaube ich, es steckt ein ganz anderes Problem hinter der Sache. Das wird jetzt auf die Drogenszene projiziert.
Man hat ja in der Diskussion öfter den Begriff Gentrifizierung gehört, also sozialer Umbau eines Stadtteils. Ich glaube, dass diese Fokussierung auf die Drogenszene jetzt ein Ventil war, um deutlich zu machen, hier passiert etwas in unserem Stadtteil, womit wir nicht einverstanden sind.
Wie lauten Ihre Vorschläge für eine Lösung?
Dass man sich mit Angeboten für Drogenkonsumenten auch an die unmittelbaren Anwohner wendet. Nach dem Motto: Wir zeigen euch, was hier passiert, und wer die Menschen sind, die hier hinkommen. Die Situation wird entschärft, indem man den Informationsgrad der Anwohner erhöht.
Die Einbeziehung der Betroffenen wäre ein weiterer Schritt, um ein zielgruppennahes Angebot zu finden. Drittens können mit der Verlegung des Angebots die Probleme nicht beseitigt werden. Es ist völlig illusorisch zu meinen, wir verlegen die Szene zum Ostbahnhof. Das geht eben nicht, weil die Leute im Viertel in Kreuzberg wohnen.
Der Druckraum am Kottbusser Tor wird geschlossen. Welchen anderen Ort schlagen Sie vor?
Damit Angebote wirken können, müssen sie szenenah sein. Daher muss das Problem im Kiez gelöst werden, in der Umgebung des Kottbusser Tors. Der Raum muss länger geöffnet haben. Vier Stunden sind völlig bedarfsfern. Neben dem Konsumraum muss es ein Kontaktangebot geben mit einem Aufenthaltsbereich, wo die Leute eine Alternative haben zum Kottbusser Tor.
Wie sehen die nächsten Schritte Ihres Netzwerkes aus?
Viele Mitglieder des Netzwerkes sind berufstätig, aber gleichzeitig Drogenkonsumenten. Sie können sich nicht ohne weiteres in der Öffentlichkeit zu Wort melden. Deswegen machen wir das in Abstimmung mit der Initiative »Fixpunkt«.
Fragen: Kevin Dürr
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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