Die Konzerthalle SO 36 in der Oranienstraße 190, einen Steinwurf vom Heinrichsplatz entfernt, gehört zum Kreuzberger Kiez wie Irokesenschnitte und Bier zu Punkern. Am 4. April sollte fröhlich Jubiläum gefeiert werden: Seit 30 Jahren, von einigen Unterbrechungen mal abgesehen, existiert der Musikclub in der ein oder anderen Besetzung bereits.
Ganz genau nimmt man es hier jedoch mit den Zeitangaben nicht – hat man das Jubiläum doch eigentlich im letzten Jahr verschlafen: Als Geburtsstunde des Musikschuppens, in dem schon legendäre Bands wie die Toten Hosen, Slime oder die Einstürzenden Neubauten spielten, gilt nämlich das ironisch gemeinte »Mauerbaufestival« am 12./13. August 1978.
Seit nunmehr 19 Jahren betreibt ein Kollektiv den Veranstaltungssaal: »Wir sind alt, jung, schwul, lesbisch oder andersrum, wir sind Punks und StudentInnen, JobberInnen und Festangestellte, Über- und Unterqualifizierte. Viele von uns haben einen sogenannten Migrationshintergrund, haben Wurzeln in Anatolien oder dem Maghreb, im Breisgau oder Cottbus«, beschreibt sich die Gruppe selbst.
Wobei dabei das Klischees von der basisdemokratischen Bewirtschaftung nicht ganz taugt. Das SO 36 hat sich über die Jahre absolut professionalisiert: Rund 50 Leute erfüllen ihre Aufgaben, es werden sogar sieben Veranstaltungstechniker und -kaufmänner ausgebildet. Mehrheit statt Konsens lautet inzwischen die Parole.
Dennoch ist sich das SO, in das jährlich Zehntausende pilgern, treu und links geblieben. Und gerade jetzt, wo sich nach so vielen Aufs und Abs Kontinuität eingestellt hat, steht der Club wieder vor dem Aus. Aber diesmal haben weder Punker die prallgefüllte Kasse mitgehen lassen noch steht eine Räumung an. Vielmehr gibt es einen Nachbarn, der den Kollektivmitgliedern das Leben schwer macht – mit Anzeigen und Beschwerden.
»Am 27. Februar erreichte uns ein Schreiben mit Auflagen zur Lärmreduzierung«, sagt Elena Pastorelli, die im Vorstand vom Trägerverein des SO36 sitzt. Die Auflagen, die gefordert werden, kann der Betrieb indes nicht erfüllen. Denn dann müsste der Verein alleine 80 000 Euro in eine Schallschutzwand investieren.
»Die können wir aber beim besten Willen nicht aufbringen, weil wir wegen der Gemeinnützigkeit keine Rücklagen bilden durften«, sagt Pastorelli. Deshalb fordere man jetzt die Unterstützung des Senats und des Bezirks ein. Sonst ist Schluss. Immerhin stehe das SO doch für die Subkultur, die Kreuzberg weit über Berlin hinaus bekannt gemacht hat. Eine Einigung mit dem Kläger scheint dagegen unmöglich: Weder eine Umsetzwohnung noch neue Scheiben wollte sich der Nachbar finanzieren lassen.
Gott verbiete das jemand seinen Besitz auch mal selbst benutzen moechte!
.....und sie versinkt im tiefer im Sumpf des Kapitals..........
19:30 Uhr, Berlin
Preis: 7,95 €
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