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Von Andreas Knudsen, Kopenhagen 28.03.2009 / Wirtschaft

Frauen am Finanzruder

Neue Investitionsmodelle sollen Islands Wirtschaft sanieren

Mehr Testosteron und weniger Östrogen – so könnte die Kurzversion einer isländischen Erfolgsgeschichte im Bankensektor lauten.

Banken und Kapitalfonds dominierten mit ihren aggressiven und auf Kreditaufnahme basierten Geschäftsmodellen über Jahre Islands Vulkanökonomie, bis sie in den vergangenen Monaten reihenweise die Segel streichen mussten. Es gibt jedoch eine positive Ausnahme: das Finanzhaus Audur Capital. Gegründet 2007 mit einem Eigenkapital von rund 200 Millionen Euro, ist der Kapitalfonds schuldenfrei, schreibt Gewinne und hat flüssiges Kapital, das investiert werden kann.

Mit der Vorstandsvorsitzenden Halla Tómasdóttir und der Direktorin Kristin Petursdóttir haben hier zwei Frauen das Sagen. Sie betreiben ihr Geschäftsmodell nach den Prinzipien Risikoeinschätzung, offener Meinungsaustausch, unabhängige Beratung und »Gefühlskapital«. Abgesehen vom letzteren sind dies althergebrachte Methoden, die von vielen Unternehmern und Bankern in den letzten Jahren als überholt und altmodisch verworfen wurden. Diese überwiegend männlichen Alphatiere waren auf der Jagd nach Maximalgewinn binnen kürzester Zeit – und scheiterten kläglich.

Halla Tómasdóttir und Kristin Petursdóttir sind keine verträumten Blumenkinder oder radikale Feministinnen, die zufällig über größere Summen gebieten. Um die 40, haben sie sich ihre Sporen bei Mars, Pepsi und in der Londoner Finanzmeile verdient. Ihre Entscheidung, gemeinsam Audur aufzubauen, trafen sie aus der Erkenntnis heraus, dass sich die in der Finanzwelt herrschenden Werte überlebt haben. Und das wohlgemerkt, lange bevor der Sturm der aktuellen Krise losbrach.

Unternehmen, die Geld bekommen wollen, ist, müssen einen tragfähigen Geschäftsplan vorlegen. Als zusätzliche Dimension wird eben jenes »Gefühlskapital« erwartet. Darunter verstehen die Fonds-Leiterinnen, dass das Geschäft über den Profit hinaus einen Sinn haben soll. Die Definition dafür ist breit und umfasst u.a. Ziele wie den Umweltschutz und die Gleichstellung der Frau im Geschäftsleben. »Das Geschäftspotenzial von Frauen wird völlig unzureichend genutzt«, sagt Halla Tómasdóttir. »Sie dominieren zwar die höheren Lehranstalten, gründen mehr und mehr Unternehmen und kontrollieren in den Familien bis zu 80 Prozent der Kaufkraft. Nur im Geschäftsleben fehlt ihnen das Kapital.« Gleichzeitig unterstreicht die Vorstandsvorsitzende, dass Audur Capital keine Frauenbank ist, sondern den Qualifikationen entsprechend auch Männer einstellt.

Mit im Boot ist jetzt auch die Sängerin Björk. Sie engagiert sich seit Jahren für Umweltschutz, erhob ihre Stimme gegen umstrittene Bauvorhaben wie eine unlängst fertiggestellte Aluminiumschmelze in Ostisland, die einen harten Einschnitt in die Natur darstellt. Gemeinsam mit Halla Tómasdóttir und Kristin Petursdóttir hat sie aus privaten Mitteln die Stiftung »Björk« gegründet. Nun werden weitere Spender gesucht – der Fonds soll eine Größe von rund 150 Millionen Euro erreichen. Gefördert werden ökologische Projekte und kleine Unternehmen, die die isländische Wirtschaft wieder in Schwung bringen sollen.

Auch in anderen Bereichen haben Frauen in der Krise das Ruder übernommen. Mit Jóhanna Sigur-dardóttir wurde erstmals eine Frau Regierungschef. Und Licht in den männlichen Geschäftsfilz, der die Eisinsel an den Rand des Abgrunds brachte, ist die norwegisch-französische Untersuchungs- richterin Eva Joly. Frauen mit solcher Tatkraft sind indes auf Island nichts Neues – sie lieferten schon Stoff für die historischen Sagas, für die Island berühmt ist.

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