Das stärkste Argument für ein Verbot des gentechnisch veränderten Mais »Mon 810« ist von der Wissenschaft weitgehend unabhängig: Die tiefe Abneigung der Bundesbürger gegenüber solchen Experimenten. Emnid hat 70 Prozent Ablehnung ermittelt, in Bayern sogar 80 Prozent. Sollte Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) demnächst wahrmachen, womit ihr Parteichef Horst Seehofer neuerdings kokettiert, hätte das Anbauverbot eher politische als sachliche Gründe.
Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), ist sich dessen bewusst. »Natürlich versuchen wir, das Wahljahr zu nutzen«, sagte er gestern in Berlin. Im Bundestags- und im Europawahlkampf will er alle Parteien befragen und das Ergebnis veröffentlichen. Die CDU, die Agrar-Gentechnik bisher befürwortet, müsse hier ihrer christlichen Basis folgen und »endlich Farbe bekennen«.
Rechtlich ist dies auch im Rahmen der EU-Freisetzungsrichtline möglich, erinnerte Peter Röhrig vom Bund ökologische Landwirtschaft (BÖLW). Ende Februar hatte der EU-Ministerrat mit Zweidrittelmehrheit die Anbauverbote für den Gen-Mais in Österreich und Ungarn gestützt. Daneben ist der Mais auch in Frankreich, Polen und Griechenland verboten. Aigners Kompromisslinie, Agrar-Gentechnik über die Kreis- und Landesebene zurückzudrängen, hält Weiger für untauglich.
Zwei Wochen vor dem Saatbeginn für Mais warnte Greenpeace-Experte Dr. Christoph Then aber auch vor bisher unterschätzten Gefahren des bei Mon 810 »eingebauten« Schädlingsgiftes. Dieses wirke auch auf Insekten, die eigentlich immun sein sollten, hätten Untersuchungen gezeigt. Zudem hätten Erfahrungen mit den Stäben einer genmanipulierten Reispflanze, die das gleiche Gift bildet, Immunreaktionen ausgelöst – auch bei Menschen: »Wir wissen einfach zu wenig über dieses Gift, die Pflanze ist nicht verkehrsfähig.«
Aigner wollte ihre Entscheidung über die Verlängerung der »Mon 810«-Genehmigung von einem Überwachungsbericht abhängig machen. Dieser soll jetzt vorliegen. Weiger kritisierte, dass der Bericht vom Hersteller stamme. »Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht.«
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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