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Von Elke Thonke 04.04.2009 / Reise

»Willkommen – hab einen glücklichen Tag«

Die kleine Karibikinsel St. Lucia punktet mit üppiger Natur, fröhlichen Menschen und Festen

Farben leuchten um die Wette auf St. Lucia. Als ob es darum gehen würde, einen Preis zu gewinnen. Kimberly, die im Strandlokal in Chastanet arbeitet, macht da keine Ausnahme. Sie trägt ein Kleid in kräftigen Farben. Etwas schüchtern lächelt sie, als ein Gast eine Anspielung auf ihre ungewöhnliche Kopfbedeckung aus gefalteten Tüchern macht. Einmal gefaltet bedeutet, dass die Trägerin noch zu haben ist, zweimal, sie ist vergeben, und wenn drei »Puschel« zu sehen sind, ist sie verheiratet. So ist es Tradition auf der Insel der kleinen Antillen, die aus der Vogelperspektive aussieht wie ein ausgefranstes Blütenblatt.

Die Besucher erwartet eine landschaftliche Vielfalt aus hohen Bergen, dichtem Regenwald und dem Meer, an dem jede Menge Wassersport und Tauchmöglichkeiten geboten werden. Badeurlauber zieht es eher in den Norden und Nordwesten, rund um Rodney Bay, wo helle Strände und zahlreiche Unterhaltungsmöglichkeiten locken. Wer es eher mit der Ruhe und der Natur hat, der ist im Süden der Insel am besten aufgehoben. Hier wächst noch üppiger Regenwald, gibt es beeindruckende Wasserfälle, botanische Gärten und Plantagen. Ein Eldorado für Wanderer. Wahrzeichen der Insel sind die Twin Pitons, zwei zuckerhutförmige, über 700 Meter hohe, aus dem Meer ragende Berge. Außerhalb der Regenzeit lassen sie sich gut erwandern. Auch, wer noch einen tätigen Vulkan erleben möchte, wird auf St. Lucia fündig. Lange bevor man bei den brodelnden, heißen Schwefelquellen anlangt, kann man den Mount Soufrière riechen.

Im Inselnorden lässt es sich bei Babonneau fantastisch und entspannend in einer offenen Gondel über den Regenwald schweben oder man kann sich wagemutig an Drahtseile haken lassen, um wie Tarzan durch die Lüfte zu schwingen.

Nach Einbruch der Dunkelheit wird auf der Insel ausgelassen gefeiert. Im Fischerdorf Anse La Raye an der Westküste ist jeden Freitagabend Fischbratfest. Dann stellen die Bewohner Tische, Bänke und Stühle vor ihre Hauseingänge und laden die Touristen ein, mit ihnen gemeinsam zu feiern und zu essen. Verführerisch duften Fische, Hummer, Maiskolben und Fladenbrot auf den vielen Grills. Dazu trinkt man Rumpunsch aus Pappbechern und einheimisches Piton-Bier. Von überall her ertönt Musik. Laut und fröhlich geht es zu. Fasziniert schauen die von weit hergereisten Gäste auf ein etwa fünfjähriges graziles Mädchen, das selbstvergessen und außerordentlich rhythmisch tanzt, während ihre füllige Mama am Rinnstein sitzt und gleichmütig zuschaut. Zwei Häuser weiter räkelt sich eine dunkelhäutige Schönheit in einer Schubkarre und spricht lebhaft in ihr Mobiltelefon. Ab und zu laufen dünne Hunde mit herzerweichendem Blick vorbei – auf der Suche nach einer Mahlzeit oder einem neuen Herrchen. Auf der anderen Straßenseite erklingen Reggae und Calypso. Dort hat sich eine Menschentraube gebildet. Kinder und Erwachsene erproben sich im Karaoke. Auf Europäer wirken Musik und Lebensgefühl fremd und faszinierend zugleich.

Sonnabends zieht es groß und klein in die lebhafte Hauptstadt Castries. »Willkommen« steht in großen Lettern am Eingang des bunten Holzhauses am Zentralmarkt der Inselhauptstadt. Und in etwas kleinerer Schrift darunter: »Hab einen glücklichen Tag.«

Dicht gedrängt schieben sich die Menschen vorbei an überladenen Ständen mit Kleidung und Souvenirs. Obst und Gemüse türmen sich auf. Unbekanntes wird von Fremden vorsichtig probiert. An einem Stand wird ein Thunfisch mit der Machete geteilt. Nicht weit davon sitzen Marktfrauen unter Sonnenschirmen mit Lockenwicklern im Haar. Es wird gelacht, geprüft, probiert, gestikuliert, diskutiert, gegessen und getrunken. Und natürlich gefeilscht. Fast kommt es einem vor, als sei der Kauf eher nebensächlich.

Im Hafen von Castries legen regelmäßig große Kreuzfahrtschiffe an. Möglicherweise ist der eine oder andere Gast von dem Stadtbild enttäuscht, doch nach zwei verheerenden Bränden ist kaum noch Historisches übriggeblieben. Um so faszinierter sind die Fremden von der würdevollen und stolzen Ausstrahlung der Insulanerinnen.

  • Infos: St. Lucia Tourist Board, Eckenheimer Landstr. 483, 60435 Frankfurt am Main, Tel.: (069) 89 00 90 81, E-Mail: info@stlucia.org, www.stlucia.org
  • 1 Euro entspricht etwa 3,45 EC (Ostkaribische Dollar)
  • Preiswerte Unterkünfte in Gästehäusern oder Hotels, unter www.inntimatestlucia.org
  • Seit November 2008 fliegt Condor direkt von Frankfurt am Main nach St. Lucia.

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