Welche Geschichte erzählt dieses Leben? Dass der Erfolg draußen etwas anderes ist als die Vorstellung von Erfolg, die du selber hast. Dass die Lorbeeren, die einem umgehängt werden, gleichsam aus dem Prügelholz wachsen, das man dir früher drüberzog. Dass jenes Eigene, das dich unabhängig macht, teuer erkauft werden, herausgeschnitten werden muss aus dem Fremden, dem ungeliebten Markt, dem oberflächlichen Betrieb.
Francis Ford Coppola, einer der großen Regisseure des Weltkinos, drehte »Der Pate« und »Apocalypse Now«, er hatte nie ein sofortiges gutes Gefühl für seine Werke – die aber doch Preise anzogen noch und noch. Im »Dialog«, mit Gene Hackman, zeigt er, noch heute ein Entsetzensfilm, wie ein Spitzel, ein Abhörspezialist, zum Opfer der eigenen Paranoia von Verfolgung und Verwanzung wird, am Ende mit der Zerstörung seiner Wohnung quasi sich selber zerlegt, mit Saxofon in der Verwüstung sitzt, die keine mobiliare, sondern eine seelische ist. Ein Mensch als Virus im Leben der Anderen: eine tödliche Mutation.
Die großen Würfe hat Coppola nie wiederholen können, als wolle dieses Künstlerleben auch erzählen: Alles hat seine Zeit, nichts lässt sich zwingen, Idee ist Schicksal. Der 1939 in Detroit Geborene musste erst erfolgreicher Weinbauer werden, um frei sein zu können für die ersehnte Besessenheit, für die immer auch finanzielle, materielle Exzessivität seiner Filmarbeit. Ein Quotenmillionär stets an den Abgründen zum Ruin. Alles noch länger, alles noch präziser, alles noch opulenter. Barock gar noch im vietnamesischen Dschungel. Und im »Paten«, diesem Porträt der US-Zwillinge Moral und Verbrechen, Geld und Charakter: das ganze 20. Jahrhundert als düster prunkendes, prall verfaulendes Sittengemälde der mafiotischen Sittenlosigkeit.
Coppola, italienischstämmiger Sohn eines Komponisten und einer Schauspielerin, hat das Entscheidende begriffen: dass man, um bei sich zu sein, alles an sich reißen muss – Regie, Autorenschaft, Produktion. Er wurde gleichsam ein eigenes Hollywood in Hollywood, eingemeindet in die Grundstruktur, aber doch total fremd, auf mutig rigide Art kalkulierend, hochmütig abgeschnitten von anderen, ein ganz eigener Tycoon der engmaschigen Kontrolle, der druckvollen Macht, des spinnennetzigen Ego. Im Grunde hasst er Hollywood, dem er sein Imperium entgegenstellte – das in den Sechzigern, Siebzigern die kritische Kraft Hollywoods mit begründete. Aber zu Hollywood gehört eben, dass der bildmächtigste Film gegen den Krieg, just »Apokalypse Now«, diese finsterglühende, mythisch befeuerte Ballung von Joseph Conrad, Richard Wagner und kriegkaltem Moderne-Monster Mensch, im Psychotraining für künftige GIs eingesetzt wurde.
Das erzählt dieses Leben des nunmehr Siebzigjährigen auch: Du bist deinem Glauben, deiner Berufung, deiner Gabe, deinem Sinn erst dann wahrhaft treu geblieben, wenn du es durchhältst, an all dem verlässlich zu verzweifeln.
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